Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 20-22 (25.7.1918)
- Article
- Die New Yorker Jüdin
- Date
- 1918-07-25
- Page
- Seite 502 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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sisch. Ergo darf ihre bereits viel stärker amerikanisierte Tochter auf rie herabsehen. Hier beginnt ein Krebsschaden sichln der jungen Seele festzusetzen, gegen den die Schule kein Gegenmittel bereithält. Im Gegenteil: statt, dieser Gefahr dadurch zu begegnen, daß sie das Mädchen für die Familie erzieht und in ihiü die Ehrfurcht vor dem Alter stärkt, ersieht sie die Kinder — Knaben wie Mädchen — unmittelbar für den Staat, lehrt sie zum Wohl des Staates sich frühzeitig selbständig machen und lockert dadurch noch mehr die Familienbande. Dazu kommt, daß <2o Kinder, dank ihrer rascheren Anpassung und ihrer Erziehung für den praktischen Beruf, häufig eher imstande sind, Geld zu verdienen als die Eltern, und dadurch ihnen gegenüber, die sie von ihrem Verdienst mitcrhalten müssen, eine starke Überlegenheit gewinnen. Dieser durchaus praktischen Erziehung, die geeignet ist, die Familien zu sprengen und die junge Jüdin im rein Materiellen versinken zu lassen, steht keinerlei Veredlung ihres Gemütes gegenüber. In Europa sorgt neben dem Einfluß des Elternhauses der Religionsunterricht für die Vertiefung des jugendlichen Gemütes, ..In Amerika ist der Einfluß der „ungebildeten" Eltern nur gering, und von einem Religionsunterricht ist gewöhnlich überhaupt keine Rede. Die Kinder, verwöhnt durch prächtige amerikanische Schulhäusei, durch gut gekleidete, in ihren Manieren, tadellose und durchaus amerikanisch wirkende Lehrer, haben einen Abscheu vor den armseligen Stübchen und den dürftigen Gestalten der Lehrer, die ihnen jüdisches Wissen beibringen sollen; sie meiden eine Umgebung, die sich stark von der ihrer amerikanischen Echulkameradinnen .unterscheidet So wachsen Scharen —> man kann getrost sagen: die Mehrzahl — jüdischer Mädchen in Amerika ohne jeglichen jüdischen-Unterricht auf; Einige Versuche, die Seelen der Kinder zu pflegen, indem sie ihre frei© Zeit mit Spielen im Freien, Museumsbesuchen, musikalischen Vortrügen ausfüllen und eine persönliche Einwirkung auf die Kinder versuchen, machen allerdings die Settlements. Diese Institute könnten eine gewaltige- Erziehungsaufgabe leisten, wenn sie nicht an die Stelle der IMigion und der allgemein-menschlichen Ethik eine flache amerika- .mechö Utilitätsmoral gesetzt hätten und es ihnen hauptsächlich darauf lüikiime, die Kinder so stark wie möglich zu amerikanisieren. Da die ir.c:st3ü christlichen Leiter hierbei keinen Wert auf die Bestärkung des Judentums'in den Kindern legen,- tragen die Settlements häufig dazu bei, de Ihrer jüdischen Umweit noch mehr zu entfremden. Ganz zu schweigen "7o:q jenen, hinter denen sich offen' oder versteckt Missionsabsichten ^.borgen. ITroilich bewirkt,der Umstand, daß fast alle Eingewanderten in rein '.:-\or l'ast rein jüdischen Viertoln leben, . in denen man jüdische Gei'ivjhe, jüdische Geschäftsschilder, jüdische Zeitungen und Theater hat, uüo junge Jüdin trotz allem' vermeintlichen Amerikanertum gesell- ■■!';eli in. Ihrem' jüdischen Kreise verbleibt, doch handelt es sich : :: um cino von den Verhältnissen bedingte als'um eine selbst- '.-''.uy?.r.qh? .um -cko soziale als um eine kulturelle Verbundenheit, . .."IIa, S-r:L;.t:;ur.£ dar Epirituellen jüdischen Werte nimmt trotz des.