Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Monatshefte · 1918-07-25 · Heft 20-22 (25.7.1918) · p. Seite 498

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 20-22 (25.7.1918)
Article
Die deutsche Frau im Orient
Date
1918-07-25
Page
Seite 498 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2908689-2908714-2908732-2911122--1890-2911187
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

v/eise — es scheint sich hier um eine Rasseneigenschaft der orientalischen Stämme zu handeln — wird sie von den gefürchteststen Erkrankungen des Matronenalters, den Krebsleiden, nur selten ergriffen. Aber man trifft doch verhältnismäßig selten wirklich alte Frauen an. Die Frühreife rächt sich durch vorzeitige Erschöpfung der Kräfte, und die Frau wird oft in einem Alter dahingerafft, in dem sie in Europa erst an-der Schwelle des Greisenalters steht. Die soziale Stellung der jüdischen Frau im Orient schimmert bereits in dem Bilde, das wir von ihren biologischen Funktionen entworfen haben, durch. Sie ist in ihren Grundzügen noch heute die gleiche wie vor zweitausend Jahren, denn der Orient ist das konservativste Land der Erde. Die Geburt eines Mädchens ist für den einheimischen Juden eine zweifelhafte Freude; das Kind, das man sich wünscht, ist der Knabe. Zwar nimmt die Geringschätzung des Mädchens selten so groteske Formen an wie bei der arabischen Bevölkerung, wo sie zuweilen bis zur Gefühllosigkeit geht. Bezeichnend ist die Äußerung eines Sephardi, der über die Geburt eines toten Knaben ganz untröstlich war: „Wenn es wenigstens ein Mädchen gewesen wäre!" Immerhin sind mir genug Fälle bekannt, in denen die sprichwörtliche Zärtlichkeit der Juden gegen ihre Kinder auch dem Mädchen gegenüber zum Ausdruck kommt. Auf Erziehung und Unterricht des Mädchens wird wrenig Wert gelegt. Hierin einen Wandel angebahnt zu haben, ist ein unleugbares Verdienst der Alliance Israelite, die zuerst besondere, wenn auch sehr unsulängiiche Schulen für die Mädchen im Orient eingerichtet hat Im Hause wird das Mädchen frühzeitig zur Arbeit herangezogen, dagegen boteiligen sich Frau und Tochter nicht an der geschäftlichen Tätigkeit des Mannes, im Gegensatz zu den aschkenazischen Juden, bei denen sie hier eine erhebliche Rolle spielen. Ist das Mädchen herangewachsen, so wird es von den Eltern — zumal von den Müttern — verheiratet, ohne daß nach ihien Wünschen gefragt wird. Auch die Frau bleibt ein Wesen minderen Rechts. Am öffentlichen Leben hat sie keinen Anteil, ja man sieht sie auf der Straße höchst Gelten als Begleiterin ihres Mannes. Sie macht mit ihm keine gemeinsamen Besuche und empfängt auch nicht in ihrem Hause die Gäste des Hannes als Hausherrm. Daß sie sich in ein Männergespräch mischt, wird als unschicklich angesehen und gewöhnlich mit kurzen barschen Worten zurückgewiesen, Freilich ist die Abschließung und Unterord-. ntsng der Fsau bei weitem nicht so scharf wie im Islam, doch es erscheint zweifellos, daß unter seinem Einfluß die Stellung auch der jüdischen Frau herabgedrückt worden ist. Trotzdem ist das Verhältnis der Gatten in der Regel ein gutes,*die Reinheit und Heiligkeit des Familienlohons unantastbar. Polygamie ist eine große Seltenheit. Ist die jüdische Frau Mutter geworden, so liebt sich ihre Stellung oü-!3ilhlicL Bio Mutter erwachsener Kinder, die Schwiegermutter und *c,roßmutte? genießt allerseits eine achtungsvolle Behandlung. So wenig tio sieh tun die Welt draußen kümmert, so wenig kümmert sich der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.