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Neue jüdische Monatshefte · 1918-07-25 · Heft 20-22 (25.7.1918) · p. Seite 497

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 20-22 (25.7.1918)
Article
Die deutsche Frau im Orient
Date
1918-07-25
Page
Seite 497 (sequence 2)
Language
German
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*7 ä sclilechtliche Eeife. Dieser vollzieht sich im Durchschnitt erheblich früher als bei der europäischen Frau, gewöhnlich schon kurz nach dem 12. Jahr. Hier scheint, ein wirkliches Rassenmerkmal der semitischen Völker vorzuliegen, denn auch die europäischen Jüdinnen zeigen trotz des abweichenden Klimas und der andersartigen äußeren Bedingungen unter denen sie leben, die gleiche Erscheinung. Während aber in Europa für das jüdische Mädchen zwischen den ersten Reifeerscheinuligen und dem Eintritt in die Ehe im Durchschnitt ein Jahrzehnt liegt, wird das jüdische Mädchen im Orient sehr früh verheiratet. Als gewöhnlichen Zeitpunkt kann man das 16. Lebensjahr bezeichnen, sehr oft aber liegt die Eheschließung noch erheblich früher. Am frühesten wohl bei den Yemeniten, bei denen 13jährige, ja 12jährige Ehefrauen durchaus keine Seltenheit sind! Da nicht der junge Mann, sondern, die Schwiegermutter die Braut wählt, spielt Neigung, Schönheit und Bildung kaum eine Rolle, Gesundheit, Tüchtigkeit und Vermögen nur in gewissem Grade. Ledige Mädchen sind eine äußerst seltene Erscheinung. Infolge der frühen Eheschließung sind Geschlechtskrankheiten selten, uneheliche Geburten fast unbekannt Diesen Vorzügen einer übertriebenen „Frühehe" stehen aber schwere Schäden gegenüber. Denn auf den Organismus der allzujungen Frau ist die Ehe von tiefgreifendem Einfluß. Der noch nicht Vollreife Körper des Mädchens ist sehr bald vor die schwere Aufgabe der ersten Geburt gestellt, der er kaum gewachsen ist Nur mit äußerster Anstrengung erzwingt die Natur diese Leistung — zum Schaden der Mutter. Die Entbindung ist oft schwer, das Kind mangelhaft entwickelt, die Ernährung an der Mutterbrust unzureichend, bleibende Schädigung und Siechtum der Frau nicht selten. Bevor ihr erschöpfter Körper Zeit hat, sich zu erholen, erfolgt die zweite, dritte und vierte Geburt. Ich habe eine Yiemenitin von 18 Jahren gekannt, die vor ihrer vierten Entbindung stand, Sephardinnen von kaum 30 Jahren, die 10—12 Kinder geboren hatten. Daneben haben diese Frauen, deren soziale Lage meist recht armselig Ist, sehr schwere Hausarbeit zu leisten. Kann es da wundernehmen, daß Dreißigjährige, verfallen und erschöpft, Fünfzigjährigen gleichen? Trotz der großen Fruchtbarkeit der jüdischen Ehen ist die Vermehrung der jüdischen Bevölkerung im Orient eine sehr geringe. Das ist die Folge vor allem einer furchtbaren Kindersterblichkeit. Verloren sind von vornherein fast alle Kinder, die keine ausreichende Brustnah^ung erhalten können. Zahlreiche andere gehen an Darmkatarrhen zugrunde, weitere an Malaria, Pocken und anderen Erkrankungen Kindesalters, die durch schlechte soziale Verhältnisse begünstigt worden. Man kann rechnen, daß von zehn Kindern nicht mehr als füsif das Reifealter erreichen. Mit 35 Jahren ist die jüdische Frau häufig Großmutter, und die Fälle-sind, gar nicht selten, daß sie auch, dann noch Mutter wird. E?.t sie die Gefahren überwunden, die in ihrem Mutterberuf liegen, so könnte ihr eher als anderen-ein ungestörtes Alter winken. Denn merkwürdiger-

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