Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 20-22 (25.7.1918)
- Article
- Die jüdische Frau in der deutschen Frauenbewegung
- Date
- 1918-07-25
- Page
- Seite 495 (sequence 9)
- Language
- German
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uns; Konfessionell nicht in dem engen Sinn dogmatischer Gebundenheit, sondern konfesionell, weil die besonderen Bedingungen, unter denen hier ein Teil der Volksgemeinschaft, teils aus rituellen, teils aus von außen aufgezwungenen Gründen leben muß, besondere Aufgaben stellten und die Schaffung einer Sonderorganisation zur unabweisbaren Pflicht machten. Da waren die Fragen des hilfsbedürftigen ""Ostjudentums, die zusammen mit den einschlägigen Männerorganisationen in Angriff genommen wurden. Da galt es durch Organisation der Krankenpflege, durch Einrichtung von Kindergärten und sonstige Maßnahmen erzieherischer Art kulturelle Pionierarbeit im dunkelsten Galizien zu leisten und dadurch wie durch wirtschaftliche Hilfeleistung zugleich den Mädchenhandel zu bekämpfen. Da mußte den Pogromopfern eine neue Heimat gesucht und bereitet, und es mußte durch die Bahnhofsmission, durch Schaffung von Unterkunftsstätten für Passanten oder sonst Obdachlose zugleich der Menschlichkeit wie der Sittlichkeit gedient werden. Dann wurde das Heim in Isenburg gegründet, das Gefährdeten, Verwahrlosten und Gefallenen Unterkunft, Hilfe und erziehliche Einwirkung bietet. . Und das andere Große, von dem bereits oben die Rede war, wurde getan: es vollzog sich die' Umwandlnug der jüdischen Wohltätigkeitspflege aus einer rein charitativen Übung zu einer sozial-ethisch orientierten Wohlfahrtspflege. Sei es, daß man sich mit Wöchnerinnen- oder Säuglingspflege, mit Kinderschutz und -erziehung, mit Wohnungsfragen oder der Fürsorge für Gefährdete beschäftigt, oder daß man in der Stellenvermittlung N und Berufsberatung den besonderen Bedürfnissen jüdischer Ansucher Genüge tut: überall ist es die von sozialen, wirtschaftlichen und pädagogischen Gesichtspunkten durchleuchtete Handhabung der Arbeit, die uns entgegentritt. In jüngster Zeit hat der jüdische Frauenbund sich das hohe Verdienst erworben durch geschlossene Behandlung der Fragen der sozialen Fürsorge und des Bevölkerungsproblems auf eigens dazu angesetzten Tagungen Fragen von höchster Wichtigkeit, die bislang nur auf Fachkongressen abgehandelt worden waren, dem Interesse und Verständen der jüdischen Allgemeinheit näher zu bringen. Es ist erfreulich, dv3 gerade die jüdischen Frauen es waren, die als erste mit der Popularisierung dieser rassenpolitisch so außerordentlich wichtigen Fragen auf dc:i Plan traten und es zeugt für den hohen Stand, den die jüdische Frauenbewegung nach verhältnismäßig kurzem Bestehen bereits einnimmt, •■ Daß das so ist, ist vorfallen Dingen das Verdienst der ideenreicl.cn Frau, die uns immer weder als Schöpferin und Führerin auf all den von uns gekennzeichneten Arbeitsgebieten der jüdischen Frauenbewegung entgegentritt. Innerhalb der jüdischen Tradition in Treue verharrend und doch von modernstem Geist erfüllt, steht Bertha Pappenhehn vor uns. Ihre Gestalt bedeutet einen Markstein in der Entwlc/Jung jüdischen Frauentums. Im Jahre 1859 in Wien geboren, kam sie 1880 nach Frankfurt a, das ihr zur zweiten Heimat geworden ist. Sie arbeitete dort sehr bald