Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 20-22 (25.7.1918)
- Article
- Die jüdische Frau in der deutschen Frauenbewegung
- Date
- 1918-07-25
- Page
- Seite 496 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2908689-2908714-2908732-2911121--1886-2911185- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
in dor'Wohlfahrtspflege, richtete den jüdischen Kindergarten in sanitär vorbildlicher Wieise ein und war dann zwölf Jahre lang Hausmutter im jüdischen Waisenhaus. Die Gründung des Vereins Weibliche Fürsorge war in der Hauptsache ihr Werk. Von da aus eröffnete sie dann sich und anderen alle die Arbeitsgebiete, von denen oben ausführlicher die PwCde war. Sie alle tragen das Gepräge ihres Geistes und Wollens und nur der Krieg ist schuld daran, daß dio jüngste ihrer Absichten, die für das Jahr 1914 geplante Gründung, eines internationalen jüdischen Frauenbundes, nicht zustande kam. Auch interkonfessionell bzw. in der allgemeinen Fürsorgearbeit ist sie mit gutem Erfolg schöpferisch tätig gewesen. Sie war die Gründerin der Flickschulen und ist ein eifriges Mitglied des Armenamtes. Während des Krieges ist sie Fabrikpflegerin geworden. Unvergleichlich ist aber auch das, was sie als Repräsentantin des Judentums der Allgemeinheit gegenüber bedeutet. Den Teilnehmern des» Berliner Frauenkongresses wird es unvergeßlich sein, wie diese Frau als würdigste Vertreterin ihres Volkes durch ihre ganze Erscheinung, wie durch Art und Inhalt ihrer Ausführungen sich selbst und der von ihr vertretenen Gemeinschaf t die hohe Achtung des ganzen Auditoriums errang. Mit diesem Eindruck sei für diesmal Abschied genommen von einer konfessionell orientierten Bewegung^ die sich als vollwertiges Glied dem allgemeinen Frauenstreben und Frauenkampf eingereiht hat. Die jüdische Frau Im Orient- Von Dr. E1 i a s A u e r b a c h, Haifa, zurzeit im Felde. cplSfin Idealbild der jüdischen Frau im Altertum oder in der Gegen- Sj-'jM wart zu zeichnen, bleibe anderen Federn überlassen. Hier soll £Lü59 nur auf dem Grunde lebendiger Beobachtung die biologische und soziale Eigenart der jüdischen Frau im Orient dargestellt iverden. „Orient" ist hierbei ein kultureller Begriff. Über Jahrtausende und gewaltige Länderstrecken hinweg bieten sich dem Betrachter so gleichförmige Bilder, daß er das Leben biblischer Zeiten noch heute greifbar' schauen kann, und daß die Schranken der Rassen und Religionen hier kaum zu bestehen scheinen* Darum aber kann sich unsere Betrachtung auch nur auf solche Juden erstrecken, die wirklich „Orientalen" ihrer Kulturstufe nach sind, also nicht auf die aus ganz anderen Kulturkreisen kommenden aschkenazischen Juden. Innerhalb der orientalischen Juden aber zeigt sich in Palästina — das uns t hier naturgemäß besonders interessiert — zwischen den sephardischen, yemenitischen,' ß::".rokkanischen, bochariöchen und eingeboren syrisch-mesopotarnischen oho weitgehende Übereinstimmung. Überschauen wir sunüchst den biologischen Lebensgang der jüdi- ::caen Frau, Das Tor zu ihrem Frauenberuf ist der Eintritt in die ge-