Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Monatshefte · 1918-07-25 · Heft 20-22 (25.7.1918) · p. Seite 494

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 20-22 (25.7.1918)
Article
Die jüdische Frau in der deutschen Frauenbewegung
Date
1918-07-25
Page
Seite 494 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2908689-2908714-2908732-2911121--1884-2911183
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

angegriffene, ^verleumdete und geknechtete Gemeinschaft keinen der Kämpfer und Kämpferinnen entbehren kann und entbehren sollte, die durch ihr ganzes Sein und Wirken, gleichviel ob für das**Judentum oder für die das Judentum mitumschließende Gemeinschaft, dartun, wie wertvoll für die Allgemeinheit das Judentum war, ist und in Zukunft sein kann. Wir haben bisher von der einzelnen jüdischen Frau und ihrem Wirken innerhalb der allgemeinen Frauenbewegung gesprochen. Nunmehr soll von den jüdischen Frauen als einer Gesamtheit die Rede sein und von dem, was sie als Gesamtheit für das Judentum wie für die allgemeine Frauenbewegung zu bedeuten haben. Seit einer Reihe von Jahren gibt es eine jüdische Frauenbewegung, die in dem 1904 von Bertha Pappenheim gegründeten Jüdischen Frauenbund ihre äußere Vertretung findet. Der Jüdische Frauenbund umfaßt einen großen Teil der alteingesessenen Wohltätigkeits- und Wohlfahrtsvereine. Er begreift in sich aber auch jene Vereinigungen, die, wie die weibliche Fürsorge in Frankfurt a. M. und die Schwesternschaften der Bne-Bris-Logen nicht als Wohltätigkeitsvereine alten Stils zu bezeichnen sind, sondern bei deren Gründung jene Gedankengänge sozialer Erkenntnis und daraus erwachsender sozialer Verpflichtung maßgebend waren, denen wir bei Jeanette Schwerin* in klarster Ausprägung begegnet sind. * Als seine Aufgabe bezeichnet der Jüdische Frauenbund im ersten Paragraphen seiner Satzung den „Zusammenschluß der deutschjüdischen Frauenvereine und weiblicher Einzelpersonen zu gemeinsamer Arbeit im Interesse der jüdischen Frauenwelt'1» Im § 2 heißt es erläuternd: „Der Verein will sein Ziel besonders dadurch erreichen, daß er alle jene Bestrebungen fördert, welche - a) die Erziehung des Volkes bezwecken, b) das Erwerbsleben jüdischer Frauen und Mädchen erleichtern wollen, c) auf die Hebung der Sittlichkeit und die Bekämpfung des Mädchenhandels hinwirken und d) geeignet sind, das jüdische Gemeinschaftsbewußtsein zu stärken." Erziehung des Volkes, berufliche Ertüchtigung der Frauen und Erschließung neuer Berufe für sie, Arbeit statt Almosen, wirtschaftspolitische Maßnahmen nationaler und internationaler Art, eine gleichfalls über die Grenzen Deutschlands hinausgreifende Hebung der Sittlichkeit durch Erziehung wie durch wirtschaftliche und berufliche Einwirkung: das ist Ausgangspunkt und Inhalt dieses Programfns einer neuen Frauenbewegung jüdischer Prägung. Einer Frauenbewegung, die sich bewußt hineinstellt in den Strom des frisch flutenden Lebens, dienicht am Symptom kurieren, sondern aiii die Wurzelgründo der Dinge zurückfinden und von der Wurzel her die Gesundung einleiten will: so steht dieser jüngste Frauenbund vor

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.