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Neue jüdische Monatshefte · 1918-07-25 · Heft 20-22 (25.7.1918) · p. Seite 492

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 20-22 (25.7.1918)
Article
Die jüdische Frau in der deutschen Frauenbewegung
Date
1918-07-25
Page
Seite 492 (sequence 6)
Language
German
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..Hochbetagt wirkt diese echt jüdische" Frau, der die vergeistigte Güte eines langen Lebens ihren Stempel aufgedrückt hat, auch heute noch im gewohnten Kreise, von allen verehrt und — was mehr ist — von allen geliebt. Als die erste jüdische Repräsentantin jenes modernen Geistes, der am Stelle der Wohltätigkeit die Wohlfahrtspflege, an Stelle der Barmherzigkeit und des Almosens die Gerechtigkeit und den Rechtsanspruch setzte, ist Frau Jeanette Schwerin anzusprechen. Durchdrungen von dem Empfinden, daß es heute nicht mehr genügt, sein Geld und einen Teil seiner Zeit in den Dienst planloser Wohltätigkeit zu stellen, entfaltete sie eine rege aufklärende Tätigkeit auf ethisch-sozialem Gebiete, das, nach Helene Lange, „die königliche Domäne der Frau der Zukunft" ist Berlin verdankt ihr durch Gründung der „Auskunftsstelle der deutschen Gesellschaft für ethische Kultur'* eine tiefgreifende Reform Qer' privaten Wohltätigkeit. Weiter schuf sie zusammen mit Minna Cauer, um: den Frauen das Verständnis für die wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhänge zu erschließen und sie für die daraus erfließenden Aufgaben sozialer Fürsorge zu ertüchtigen, 1893 die Berliner „Mädchen- und Frauengruppen für soziale oHiIfsarbeit". Aus .ihnen gingen nachmals geschlossene Jahreskursc hervor, deren Aufgabe die berufsmäßige praktische und theoretische Schulung zur sozialen Hilfsarbeit war. Später entwickelten sich aus diesen glücklichen Anfängen eine Reihe sozialer Fraucnschulen und Seminare, deren erste (1908), die Soziale Frauenscliulo in Berlin, die unmittelbare Fortsetzung der Sehwerinschen Gruppen war. Daneben entfaltete Frau Schwerin eine rege Tätigkeit auf dem Gebiet allgemeiner Sozialpolitik, Sie war die erste Frau, die durch planmäßige, von reifem Verständnis getragene Arbeit das Interesse für den Arbeitcrinnenschutz zu wecken verstand, die durch unermüdliche Propaganda in Wort und Schrift,, durch Einsetzen ihrer charaktervollen, klaren und tiefen Persönlichkeit der kommunalen und sozialpolitischen Betätigung der Frauen die Wege ebnete. Ihr ist es zu danken, wenn Deutschland vergleichsweise früh zur Anstellung weiblicher Gewerbeinspektoren schritt. Ihr auch, daß sich endlich das Interesse weiterer Frauenkreise den Fragen des Arbeiterinnenlebens und Arbeiterinnen- Schutzes zuwandte. Selbst die Sozialdemokratie brachte ihr, der bürgerlichen Frau, ein unbegrenztes Vertrauen entgegen. So heißt es mit " I\!,g von1 ihr (Das-Frauenbuch. 3. Teil. Stuttgart 1914. Franckhscher Vorlag. S. 209): „Wer die zarte Frau mit dem starken Geist, dem gütigen Herzen gekannt hat, der weiß, welch ein Segen von ihr ausging, er staunt über die Fülle von Anregungen in der nur sieben Jahreum- - senden Zeit ihres öffentlichen Wirkens und ist doppelt überzeugt von Berechtigung der Frauenfrage, weil gerade Jeanette Schwerin- ..':: .rbanoll für sie eintrat." Die Referentin kann dasselbe bezeugen. ^••"•.-r.'.ttervoll, lauter, warm und wahr wie ihr Wesen, war Jeanette ■ -.uv/enns Work. Ihre Schülerin und Nachfolgerin auf dem Gebiete sozialer Fürsorge v.-j-d allgemeiner sozialpolitischer Arbeit ist Dr. Alice Salomon, die

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