Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 20-22 (25.7.1918)
- Article
- Die jüdische Frau in der deutschen Frauenbewegung
- Date
- 1918-07-25
- Page
- Seite 491 (sequence 5)
- Language
- German
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Als Hauptaufgabe hatte sich Johanna Goldschmidt die Propaganda Fröbelscher Ideen und die Ertüchtigung des Frauengeschlechts für die Aufgaben der Gattin, Mutter und Üausfrau gesetzt. Auch eine der markantesten jüdischen Frauengestalten unserer Zeit, Frau Lina Morgenstern (Berlin), tritt uns zuerst in Verbindung mit der Förderung Fröbelscher Ideen entgegen. Als Vorsitzende des Kindergartenvereins gründete sie ein Seminar für Kindergärtnerinnen, veranstaltete Kurse für Kinderpflegerlnnen und hielt populäre Vorträge zur BeLehrung der Frauen und Mütter. Unter großen Opfern rief sie ferner neben den Kindergärten für Wohlhabende den ersten Volkskindergartcn ins Leben. Die Not des preußisch-österreichischen Krieges von 3860 reifte in ihr den Entschluß, Volksküchen zu gründen. „Am 31. Mai 180(5 teilte sie in einem warm geschriebenen Aufrufe ihre Ideen dem' größeren Publikum, mit und schon am 5. Juni trat ein Komitee zur Durchführung ihres Planes zusammen: am 9. Juli konnte die erste Volksküche in Berlin eröffnet werden. Infolge eines von ihr gehaltenen Vortrags wurde auch bald in Breslau eine Volksküche errichtet und rasch folgten solche in Warschau, Posen, Lemberg, Hannover, Wien, Pest und anderen Städten.'' Ebenso verdankt ihr die „Akademie zur wissenschaftlichen Fortbildung für Damen" ihre Entstehung. Sie hat sie mit großen persönlichen Opf°r-\ im Jahre 1869 errichtet, von dem Wunsche beseelt, die Frau für ihren natürlichen Beruf allseitig zu schulen. Neben ihrem praktischen Wirken entfaltete. Frau Lina Morgenstern eine reiche und erfolgreiche literarische Tätigkeit. Ihr Andenken wird mit der aufstrebenden und aufblühende-? Frauenbewegung ehrenvoll verknüpft bleiben. Als Dritte im Bunde der von der pädagogischen Seite her zur Frauenfrage und Frauenbewegung gekommenen jüdischen Frauen hi Frau Henriette Goldschmidt zu nennen, die Gattin des Rabbiners Dr. A. M. Goldschmidt in Leipzig. Eine der Mitgründerinnen des 1865 entstandenen Allgemeinen deutschen Frauenvereins, der „die Arbeit, die Grundlage der ganzen modernen Gesellschaft, als Pflicht und Ehre des weiblichen Geschlechts erklärt und bestrebt ist, alle der weiblichen Arbeitskraft im Wege stehenden Hindernisse zu beseitigen", schuf de schon um 1871 den Verein für Familien- und Volkserziehung und legte damit den Grundstein zu einem Erziehungswerk, das in der mit Recht hochgeschätzten Frauenhochschule in Leipzig seine Krönung fand. Uro im Winter 1881 gehaltenen, in dem Buch „Ideen über weibliche Erziehung im Zusammenhang mit dem System Friedrich FröbeLs" gesammelten Vorträge veranlagten den Magistrat der Stadt Leipzig zur Errichtung der städtischen Fortbildungsschule für Mädchen. Erziehungs- und"Bildungsinstitute für das weibliche .Geschlecht zu schaffen, die, vor dem schulpflichtigen Alter beginnend, die ganze Kindheit und Jugend umspannen und so ein geistig, sozial und humanitär abgerundetes Bildungsganzo schaffen sollten, das war der Traum ihres Lebens. 'Sie sah ihn erfüllt, als es ihr vergönnt war, die von ihr geschaffene Hochschule zu eröffnen.