Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 20-22 (25.7.1918)
- Article
- Die jüdische Frau in der deutschen Frauenbewegung
- Date
- 1918-07-25
- Page
- Seite 490 (sequence 4)
- Language
- German
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490 Pädagogen und Philosophen ihrer Zeit damals oder später gewollt und erreicht haben, ndt.irgendeinem:' Würzeichen hinabreichfc in das von dem ' Geist und Wollen jüdischer Frauen befruchtete Erdreich einer emporstrebenden Kultur. Ein tief Bedauerliches bleibt in diesem Zusammenhang festzustellen: alle diese hochbegabten Frauen haben sich im Laufe ihres Löbens durch die Taufe dem angestammten Glauben und Volks verbände entzogen. Eine Würdigung der Anteilnahme der jüdischen Frauen an dem neuen Frauentum und der Frauenbewegung kann natürlich trotzdem an diesen Erscheinungen schon darum nicht vorübergehen, weil das Moment der Taufe weder die Vererbungsnoch auch die Milieususammenhänge aufzuheben vermag, die beispielsweise als köstlichste Habe den Töchtern eines Moses Mendelsohn zu eigen sein mußten. So haben diese Frauen der geschichtlichen Würdigung als. Jüdinnen zu gelten. Und Rahel Varnhagen z. B. hat trotz ihrer äußeren Abkehr vom Judentum sich ein tiefes Gefühl für das angestammte Volk bewahrt. Sie wurde, wie Kayserling ausführt, „stolz darauf, eine Jüdin zu sein". (Kayserling: Die jüdischen Frauen in der Geschichte, Literatur und Kunst. Leipzig 1879. F. A. Brockhaus. S. 215.) „Für die Juden und die Verbesserung ihrer politischen Stellung zeigte 'sie, so oft die Gelegenheit sich bot, lebhaftes Interesse. Sie hat ihr Volk, im ganzen und im einzelnen, immer nach Kräften verteidigt, Unheil und Druck beständig für dasselbe mitgefühlt," Und als im Sommer 1819 sich eine wilde Judenhetze in ganz Deutschland erhob, schrieb sie ihrem Bruder Ludwig Robert, der in 'Karlsruho Zeuge jener Vorgänge gewesen war: „Ich bin grenzenlos traurig und in einer Art, wie ich es noch gar nicht war. Wegen der Juden. Was soll diese Unzahl Vertriebener tun! Behalten wollen sie sie: aber zum Peinigen und Verachten, zum „Judenmauschel"- Sehimpfen, zum kleinen dürftigen Schacher, zum Fußstoß und Treppenrunterwerfen. . . . Die gleißnerische Neuliebe zur christlichen Religion (Gott verzeihe mir meine Sünde!), zum Mittelalter mit seiner Kunst, seinen Dichtungen und Greueln, hetzt das Volk zu dem einzigen Greuel, zu dem es sich noch, an alte Erlebnisse erinnert, aufhetzen läßt! Judenstern .... ich bin hochbetrübt. Eine herrschende Religion taugt nicht, das ist unreligiös" (a. a. 0. S. 215 f.). ■ Zwischen dem in diesen jüdischen Frauen verkörperten ersten Aufflammen der Sehnsucht nach. Kultur, geistiger und sittlicher Befreiung und dem Eintreten jüdischer Frauen für konkrete, aus der Sphäre des Persönlichen in die des allgemein Zuständigen Und Notwendigen führenden Ziele des Frauentums liegen Jahre. Es sind dann zunächst, übereinstimmend mit dein Gang der allgemeinen Entwicklung, Erziehungs¬ und Bildungsaufgaben, für die jüdische Frauen sich einsetzten. Johanna GoLdschmidt, geh, Schwabe, selbst Mutter von acht körperlich und geistig begabten Kindern, gründete in Hamburg zusammen einer glcicMühlendon Christin zu Ende der 40er Jahre des vorigen J::;tvimnß<&ts den ersten konfessionslosen Frauenverein, der, von seinen or;3nÜiehen erzieherischen und allgemeinen Aufgaben abgesehen, 7( ::.entlieh zur Ausgleichung konfessioneller Gegensätze beigetragen hat.