Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 20-22 (25.7.1918)
- Article
- Die jüdische Frau in der deutschen Frauenbewegung
- Date
- 1918-07-25
- Page
- Seite 489 (sequence 3)
- Language
- German
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<:o9 modernen Frauenbewegung, die von verschiedenen Punkten her, aber ini. letzten Grunde mit der gleichen Zielsetzung die Welt für die Frauen zu erobern trachteten. So sehen wir als die beiden Grund- und Ecksteine der modernen Frauenbewegung auf der proletarischen Seite die Arbeitsüberlastung x und das brennende Verlangen nach Erlösung von Überarbeit, Elend und Schutzlosigkeit. Auf der anderen Seite der gesellschaftliehen Stufenleiter aber ist es ursprünglich der Drang nach Bildung und Wissen, die Sehnsucht durch die Berufsübung von der Leere und Zwecklosigkcit eines Daseins erlöst zu werden, dem man seinen Inhalt genommen. Das Heim sich neu auf neuer Grundlage aufbauen, wollen die einen; hinaus auf den Markt des Lebens begehren die andern. Zum Ringen um Beschränkung der Arbeitszeit, um Verbesserung der Arbeits-, und Lebensbedingungen, um Schutz des Lebens und der Arbeit verdichtetsich das eine, zum Ruf nach Arbeit, nach Bildung und Beruf wird das andere. Beide begegnen sich endlich in der Einsicht, daß ihren gerechten Forderungen und Bestrebungen nur die Erringung der Bürger- und der politischen Rechte der Frau die Erfüllung bringe?}: könne. Jüdische Frauen haben in allen Stadien dieser Entwicklung mitgewirkt. Ihre charitative Veranlagung, ihr leicht beweglicher und aufnahmefähiger, aber auch in die Tiefe brennender und leuchtender Geist und endlich der dem Judentum zutiefst eignende Drang nach Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmungsrecht ließen sie als die gewiesenen Mitstreiterinnen und auch Führcrinnen der allgemeinen Frauensache erscheinen. Aber auch schon bevor es eine eigentliche Frauenbewegung gab, finden wir Jüdinnen in vergleichsweise großer Zahl unter denen, dio die persönlichen Härten und Unbilden einer engen Zeit schwer empfanden und sich tatkräftig dagegen auflehnten. Die bekanntesten Frauen der Romantik sind aus dem Judentum hervorgegangen. Rahcl Varnhägen,' die Brandes, der berühmte Literarhistoriker, die bedeutendste Erscheinung ihrer Zeit, die Dorothea Mendelsohn (Veit-Schlegel). Henr. Herz und andere erhoben zu einer Zeit, in der die Persönlichkeit zu erwachen sich anschickte, das Banner einer neuen Geistifrkeit und einer souveränen Moral. Man mag mit der Freiheit, die sie meinten und die sie sich nahmen,; nicht in allen Punkten einverstanden sein. Entscheidend für die Beurteilung dieser Frauen ist aber das eine, daß sie es wagten, sie selbst zu sein. Daß sie es unternahmen, den Persönlichkeitsanspruch und damit das Recht der Frau als eine Selbstverständlichkeit zu formulieren und — zu leben. Die Salons dieser geistvollen Berliner Frauen, denen sich in Wien die der Schwestern Fanny von Arnstein und Cäcilie von Eskeles gesellten, wurden zu Mittelv:nu Ausstrahlungspunkten einer erlesenen geselligen und geistigen Kulter. Ihre persönliche Einwirkung befruchtete die Geister der zu Führern dos Volkes vorbestimmten Persönlichkeiten. So mag mit Fug gefolgert werden, daß manches von dem, was die Staatsmänner, Politiker, Dieaiö?,