Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 20-22 (25.7.1918)
- Article
- Die jüdische Frau in der deutschen Frauenbewegung
- Date
- 1918-07-25
- Page
- Seite 488 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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liehen'Bekundungen .einer'Bewegung, innerhalb des Frauentums der Kulturnationen kam, am Himmel des geistigen Geschehens. Prachtvolle Einzelerscheinungen, Vollmenschen im besten Sinne, des Wortes treten hervor, erzwingen und erringen sich die Sympathie oder zumindest die starke Beachtung ihrer Zeitgenossen und ein Andenken, das die Zeiten überstrahlt' Schon ums Jahr 1789 erließ Olympe de Honges, die Führerin der revolutionären Frauen Frankreichs, eine „Erklärung der Frauenrechte". Und 1792 folgte dieser mutigen und feurigen Verteidigerin der Menschen- und Frauenrechte die schlichtere Engländerin, Mary Wollstonecraft mit der Streitschrift „Eine Verteidigung der Frauenrechte". (A Vindication of the Rights of Woman.) Auch Männer wie Condoveet, v. Hippel und vor allem John Stuart Mill nahmen sich der Frauensache an. ' Vergebens aber suchen wir die Spuren, die alle diese Männer und Frauen im Tatsachenleben ihrer Zeit hinterlassen hätten, forschen wir nach ihren Erfolgen für die soziale, geistige und wirtschaftliche Befreiung der Frau. Dem einen und andern dieser frühen Vorkämpfer der Frauensache wurde die rasch wieder zerbröckelnde und in alle Winde sich zerstreuende Gefolgschaft weniger, das war alles. Eine Frauenbewegung ging von ihnen allen nicht aus und konnte nicht von ihnen ausgehen, weil die Zeit noch nicht erfüllt war, weil ihnen, neben der geistigen Bereitschaft und Erkenntnisfähigkeit der Massen für die inneren Zusammenhänge der Wirtschafts- und Geisteswelt, der breite Resonanzboden der wirtschaftlichen Bedürftigkeit fehlte. Als diesen Boden dann die Not der Zeit, die Anarchie der indu- . strielien Entwicklung geschaffen hatte, da waren es naturgemäß zuerst die bewußtesten und ökonomisch freier gestellten Schichten, die die neuen Lebensfordeningen zu meistern und in ihrer Art zu erfüllen suchten. So kam es, daß die zutiefst wirksamen wirtschaftlichen Ursachen der Frauenbewegung in ideologischer Verkleidung auf den Plan traten, daß die erste Massenforderung der Frauen Bildung und Beruf war, so daß bei all denen, die die Oberfläche der Dinge für ihren Kern nahmen, die Vorstellung entstand, daß die Frauenbewegung eine rein geistige Sache sei, der sich erst im Laufe der Zeit wirtschaftliche und politische . Strömungen und Strebungen angegliedert hätten. Dieser Irrtum ist sehr begreiflich. Von jeher hatte es Frauen vereinzelt auch Männer gegeben., die das dem weiblichen ö.G:;ehlecht zugefügte Unrecht erkannt und tief empfunden ..hatten. Ihre flammenden Proteste gegen Unrecht , und Unterdrückung waren ergebnislos verpufft und mußten verpuSen, so •.M^go. der wirtschaftliche Untergrund noch nicht so weit voi- ^ovdtet war, um all das neue Saat- und Vorstellungswerk aufnehmen zu /r.ormen. Erst nachdem der Siegeszug der Maschine die Hauswirtschaft ■ rationiert und die Frauen in größerer Zahl genötigt hatte, auf dem ' .des. Löbens sich ein hartes Stück Brot zu erkämpfen, 'kam mit;' ^.^.wh'i^chafuichen auch das geistige Umdenken und. Umlernen. Die. l'i.iy'c verdichtete, sich zur Forderung. Es wurden die beiden Zweige der