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Neue jüdische Monatshefte · 1918-07-25 · Heft 20-22 (25.7.1918) · p. Seite 486

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 20-22 (25.7.1918)
Article
Die jüdische Schauspielerin
Date
1918-07-25
Page
Seite 486 (sequence 3)
Language
German
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Spielerin. In vielen "Fällen, wäre es willkürliche Konstruktion, der ganz w^eitgreifenden Menschlichkeit, der großen nachschöpferischen Phantasie, die irgendwie auf jadischem Blutsgrunde gewachsen ist, nun noch jüdische Besonderheiten in der Formgebung nachweisen zu wollen. Das gilt von den klassischen Repräsentantinnen der französischen Schaubühne, von der Sarah Bernhardt und der Rachel, wahrscheinlich nicht anders wie von der genialsten Soubrette, die augenblicklich in Berlin lebt, der Massary.' Bei diesen ganz großen Temperamenten verschiedensten Stils bleibt vielleicht gerade wegen der. Schrankenlosigkeit, mit der ihr Temperament um sich greift, keine Spur ihres Volkstums zurück. Und erst auf etwas eingeengterem Gebiet immer noch genialer Leistung mögen sich diese besonderen Spuren zeigen. Die jüdische Dialektik wurde etwa als Gabe einer blitzschnell und blitzklar pointierten Rhetorik offenbar bei der einst so berühmten „scharfen Dame" des Burgtheaters, Zerline Gabillon, geborene Würzburg. Und von gleicher Herkunft dürfte heute noch die im klugen Salongefecht, wie im tragischen Pathos, wie in Strindbergscher Seelenzerklüftung gleich scharf einschneidende Pointensetzung der Rosa Bertens sein. *. , Eine weichere, mehr leidende und mehr nervöse, meist wohl auch jüngere Art von jüdischer Schauspielerin ist seit etwas über einem Jahrzehnt auf deutschen Bühnen ziemlich verbreitet. Als ihre bedeutendste Vertreterin nenne ich Irene Triesch. Das sehr starke Arbeiten des dialektischen Verstandes ist auch hier zu spüren; aber es ist hier statt mit einer imposanten physischen Energie mit dem sogenannten „modernen", d. h. sehr schwachen, sehr unbeherrschten Nerven verbunden. Aufschwünge ins Pathetische und Dämonische fallen deshalb meist sehr fragwürdig aus, und zu einer rein erfreulichen Deckung mit der dichterischen Idee kommen diese Schauspielerinnen meines Erachtens nur da, wo sie entweder den schwachen und hilflos erliegenden Menschen geben oder mit völlig draußenstehendem Witz ein schon vom Dichter verspottetes Bild unechter Menschlichkeit, erlogener Pathetik umreißen. Das Dämonische aber, das diese Art Schauspielerinnen — und es sind natürlich nicht nur jüdische! — so häufig kultivieren, erscheint mir deshalb peinlich unecht, weil gefährliche Naturwesen nur aus einem Plus, einem Übermaß innerer Angriffskräfte, nicht aus einem Minus, einem zu Wenig des physisch nervösen Widerstandes glaubwürdig zu machen sind. Wenn Penthcsilea wahnsinnig wird, nicht, weil sie zu viel in sich hat, sondern weil sie zu wenig verträgt, so ist das ein klinischer Fall \mä keine Menschheitsangelegenheit! Die schlechten Nerven, die viele jüdische junge Damen heute haben, stellen ihnen noch keine künstlerische Qualifikation aus. Es gibt freilich wie überall auch hier eine quantitative Steigerung, cm Extrem, wo eine Wahrheit in ihr Gegenteil umschlägt und die Deliv/äcfao. zur Kraft wird. Das ist der Punkt, wo der Nervenwiderlv.\-iiü überhaupt so aufhört, daß man den Eindruck einer handelnden Personganz verliert und , nur noch den . eines ■ Gefäßes hat,

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