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Neue jüdische Monatshefte · 1918-07-25 · Heft 20-22 (25.7.1918) · p. Seite 485

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 20-22 (25.7.1918)
Article
Die jüdische Schauspielerin
Date
1918-07-25
Page
Seite 485 (sequence 2)
Language
German
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4S5 dem sich Offenbaren der Persönlichkeit, auf einer menschlichen Eigenkraft! Allerdings unterscheidet sich diese Kunst in ihren Bedingungen vor allen andern dadurch, daß sie einerseits an eine andere gebunden ist, daß ihr die freie Mötivwahl durch die Rolle des Dichters abgenommen wird, und daß sie andererseits in urtümlicher Art das gesamte körperliche und seelische Sein des Menschen als Werkzeug ergreift und dadurch jene konzentrierende Auswahl eines bestimmten Sinnes entbehrlich macht, die für alle anderen neueren Künste Voraussetzung ist. Meine Meinung ist nun, daß in allen andern Künsten Gefahr und Schwierigkeit des modernen Juden in seinem zuweit entwickelten Scheidungsvermögen,, in seiner Fähigkeit zur Überkonzontration liegt, überall, wo die Konzentration auf das gestaltende Mittel und das zu gestaltende Motiv über den Zweck hinausgeht, da der seelische Zusammenhang wie der Wcltzusammenhang zerrissen und es entstellt statt des Kunstwerks ein Kunststück: Virtuosentum. Das Gegenstück dazu zeigt die Frau in der Kunst, der die Konzentration auf Motiv und Mittel aus dem Welt- und Seelenzusammenhang heraus so schwer wird, daß ihr stets die Gefahr der Verschwommenheit: Dilettantismus, droht. Wie die Frau aber gerade in der Schauspielkunst und eigentlich nur in der Schauspielkunst es zu großen künstlerischen Leistungen bringen kann, weil hier in der vorher geschilderten Weise die Auswahl des Motivs ihr abgenommen, die Auswahl eines seelischen Organs von vornherein erübrigt und also das Gleichgewicht von Teil und Ganzem von vornherein garantiert ist — so findet der Jude in den Grundbedingungen dieser Kunst am ehesten Schutz vor seiner Gefahr, wird durch das dramatische Ganze äußerlich, durch die' ständige Inanspruchnahme seines menschlichen Gesamtwesens innerlich vor einer außerkünstlerischen Zuspitzung seiner besonderen Energie bewahrt. Dies scheint mir der wesentliche Grund, warum dem Juden in der Schauspielkunst häufiger als in andern Künsten das reine und große Werk gelingt. Gleichwohl muß sich auch hier noch jene Eigenart, die seine Gefahr ist als charakteristischer Zug zeigen. Nicht nuancenlose Blässe, sondern verwirrende Übernuanciertheit, ist der bedenkliche Pol, dem auch noch das gesunde Gleichgewicht jüdischer Schauspielkunst näher steht. Die durch viele Jahrhunderte theologischer Übung entwickelte Kraft dialektischer Scheidung gibt dem jüdischen Schauspieler eine Schärfe des Tons, eine Entschiedenheit der Geste, die sich vielleicht als charakteristisch verbindend werden finden lassen unter den vielen sehr verschiedenen Menschlichkeiten, die große jüdische Darsteller auf dem Theater vor uns entfaltet haben. Was sich sonst an den seelischen Inhalten, die Schauspieler jüdischer Herkunft auf der Bühne anbieten, als spezifisch jüdisch in Anspruch nehmen läßt, ist natürlich oberhalb jenes gekennzeichneten Rhythmus nichts Einheitliches, sondern je nach der sozialen Schicht und dem individuellen Temperament des Betreffenden so verschieden, wie es der Fülle von Möglichkeiten des1 jüdischen Wesens entspricht. Und ganz so steht es natürlich auch mit der jüdischen Frau als S c h :m? -

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