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Neue jüdische Monatshefte · 1918-07-25 · Heft 20-22 (25.7.1918) · p. Seite 487

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 20-22 (25.7.1918)
Article
Die jüdische Schauspielerin
Date
1918-07-25
Page
Seite 487 (sequence 4)
Language
German
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/.Q7 in das sich aus der Welt und aus der Stunde irgendein Geist ergießt! Solch ein Schallrohr durchflutender Stimmen ist die kleine Lia Rosen. Diese erschütternd ekstatische Sprecherin ist vielleicht kaum eine Menschendarstellerin zu nennen; aber irgendwie verwandt bleibt sie der Schauspielkunst, und es wird sich auch nicht leugnen lassen, daß die zitternden Musiken, die aus der Kehle dieser kleinen Oaliziancrin kommen, unwillkürlich an Davids Psalmen und die Raserei der Propheten denken lassen. Hier leuchtet zwischen den Dämmerungen moderner Kulturproblematik ein Weg zu den innersten und edelsten, den patriarchalisch religiösen Urkräften des Judentums, auf. Eine Schauspielerin, wie etwa der Jude Schildkraut, der mit breiten Schritten auf palästinensischer Erde zu gehen scheint und fern jeder modernen Nervenschwäche aus uralten heiligen Vatergefühlen heraus vollblütiges Menschenschicksal gestaltet, so eine Frau, die " eine jüdische Else Lehmann sein müßte, haben wir meines Wissens heute nicht ganz. Beinahe doch in der vorzüglichen Berliner Charakteristikerin Ilka Grüning, deren, vollsaftig breite Töne manchmal an die üppige Lebensfülle Schildkrauts erinnern können. Im Vordergrund steht bei ihr freilich (wie bei ihrer «noch leichter beweglichen Wiener Kollegin T'ini Senders) ein überaus witziger Verstand, der ihre Karikaturenzeichnungen zu den ergötzlichsten der deutschen Bühne macht. Im übrigen scheint es mir keine Frage, daß die bedeutenden Umbildungen, die das jüdische Menschentum durchmacht und die die gegenwärtige gewaltige Krise beschleunigen wird, auch neue Kräfte jüdischer Schauspielkunst freimachen werden, und daß vielleicht schon in einem Jahrzehnt ein gleichgerichteter Überblick wesentlich andere Resultate liefern wird. Die jüdische Frau in der deutschen Frauenbewegung le jüdischen Frauen nehmen in hervorragendem Maße an der gründet, daß die Frauenbewegung ursprünglich von einem Punkte ausging und in Gegebenheiten verwurzelt war, die von alters her die ureigenste Domäne jüdischen Frauenlebens in sich begriffen. Die ersten Anfänge dessen, was wir heute unter Frauenbewegung verstehen, sind charitativer und pädagogischer Natur. Leidenden weilte man Hilfe bringen, Schutzbedürftige schützen und betreuen, dura'.. Natur und Verhältnisse Lebensschwache mit Hilfe von Erziehung ■arid Berufsschulung für das Leben ertüchtigen. Von dem Gedanken an eine Frauenbewegung, die es sich zum Ziel setzt, die Frauen als nach allen Seiten hin gleichverpflichtet aber auch, gleichberechtigt dem Staatsganzen einzugliedern, war man damals noch ■ weit entfernt. Zwar wetterleuchtete es schon lange, bevor es zu oSgont- Von Henriette Fürth, Frankfurt a. M. Das ist kein Zufall, sondern darin be-<-

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