Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 20-22 (25.7.1918)
- Article
- Die jüdische Schauspielerin
- Date
- 1918-07-25
- Page
- Seite 484 (sequence 1)
- Language
- German
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. Die jüdische Sdiauspielerin .' . Von Julius Bab, Berlin. ^&JFffiJ>iQ 80 manchen andern Gebieten, so wird hinsichtlich des f \, '^Qyl Theaters der Anteil der Juden vom jüdischen wie vom nichtig jüdischen Betrachter leicht überschätzt. Eine gewissenhafte Betrachtung zeigt z. B,, daß in leitender Stellung nur sehr wenige Bühnen, nämlich die paar Privatbühnen der Großstädte, Juden , haben — die große Masse der deutschen Hof- und Stadttheater schließt sie nahezu prinzipiell von der Leitung aus. Auch unter den Schauspielern ist der jüdische Anteil durchaus nicht so groß, wie man im allgemeinen glaubt. Nur im schauspielerischen Mitteistand — bei den guten Episodenspielern der ersten, den Protagonisten der zweiten Bühnen — dürften sie in Deutschland über ihren allgemeinen Bevölkerungsanteil hinaus zahlreich sein. Unter den Kräften allerersten Ranges haben sie einige bedeutende Vertreter, aber einen zahlenmäßig durchaus be-. scheidenen Anteil, und auffällig gering ist ihre Anzahl im großen schauspielerischen Proletariat. Das letztere mag mit ihrem stärkeren Realsinn, ihrer Fähigkeit zur Selbstkritik, der größeren Beweglichkeit, zusammenhängen, die dem jüdischen Schauspieler vielleicht häufiger' als einem andern gestattet, eine Laufbahn, die sich ihm als hoffnungslos enthüllt, aufzugeben. Das hat schon der klassische Historiker der deutschen. Schauspielkunst, Eduard Devrient, richtig bemerkt. Was dieser aber sonst beibringt, um den immerhin bedeutenden, den Anteil der Juden an andern Künsten vorläufig sichtlich überragenden Zusammenhang' zwischen Judentum und Schauspielkunst zu erklären, ist herzlich flach und schief. Daß Erwerbssinn die Juden'' zum Theater führe, ist in Anbetracht der doch gewissermaßen sahireichen und zuverlässigeren Wege, die es sonst gibt, um zu Geld zu kommen, ein absurder Gedanke. Und daß es ein geschickter Elektizismus sei, durch den die Juden in der Schauspielkunst allein Bedeutenderes leisten, ist wohlv inzwischen durch eine Reihe wirklich bedeutender jüdischer Schauspieler widerlegt. Und was man sonst im allgemeinen-an Erklärungen für diesen Zusammenhang anbietet, reicht' nicht aus. Die sozialen Gründe: die völlig uneingeschränkte Zugänglichkeit, gerade dieses bürgerlich nicht, abgeschlossenen Standes — dio geschichtlichen: die frische und deshalb besonders wirksame Hingerissenheit der Juden zu den dramatischen] Gestalten des ihnen neu erschlossenen europäischen Dichterwerks — das erklärt höchstens Möglichkeit •und 4. iaß, aber nicht Ursache und Erfolg der jüdischen Wendung zum Theater. Und die häufig gehörten psychologischen Gründe, dio von &r Beweglichkeit, dem Anpassungstalent und gar vom Verstellungsvennögen der Juden sprechen, sind flach und schief: fragwürdig, was . <ülo jüdische Psychologio, hoffnungslos falsch, was die Psychologie der ■ S^ia^npiellnnist anlangt. Denn diese beruht, sofern sie eine schöpfe-, rieche Kunsl; ist, natürlich nicht auf der Unpexsönlichkeit, dem sich Verwandeln und Verstellen, sondern wie jede Kunst auf dem Gestalten,