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Neue jüdische Monatshefte · 1918-07-25 · Heft 20-22 (25.7.1918) · p. Seite 480

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 20-22 (25.7.1918)
Article
Die Westjüdin und die Idee
Date
1918-07-25
Page
Seite 480 (sequence 4)
Language
German
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m quenz, um das Unerträgliche ihrer Situation vor Augen zu führen —, Geliebte oder Mutter, ohne soziale Sicherungen zu sein oder wenigstens die Kinder anderer mit der ganzen Leidenschaft ihres Andersseinwollens zu führen, zu formen und mit ihrer Umgebung in Gegensatz zu bringen. Ich sage nicht etwa, daß dies zu geschehen hätte. Ich meine,nur, daß es sich so z. B. äußern könnte; wie bei den russischen revolutionären Studentinnen vor zwei Generationen das kurzgeschorena Haar, die Zigarette und die freie Liebe durchaus nicht logisch, mit der Vorbereitung zur Befreiung ihres Vaterlandes zusammenhing. Es war nur die entscheidende Auflehnung gegen die Stumpfheit und geistfeindliche Beharrungsmoral derer, die der Erneuerung im Wege waren, in der Sprache dieser« Welt selbst, dem Sichtbaren, Handgreiflichen, Täglichen. Naives Wollen, von Intellektualität ungebrochen, muß dazu aufgebracht werden und eigensinnig unberührt standhalten der Dialektik dieser Philister — bei uns der Killejuden —: Daß sie in Äußerlichkeiten ihr Genüge finden, um jeden Preis apart sein wollen oder gar den niedern Trieben ergeben seien usw. Nur in solchem blutdurchpulsten Leben können Yereinstätigkeit, Vorträge, politische Schreibereien mehr, als Ersatz und Trost, wirklich Teil des Lebensinhalts sein. Die' Familie bindet, verankert mit vermehrten Bedürfnissen und Rücksichten in der stofflichen Gebundenheit, der der Idee-Erfüllte sich entwinden will. Sie verbreitert die Möglichkeiten der Hindernisse und verringert die möglichen Erneuerungsanregungen der inneren Stoßkraft. Wie will man es aber' erklären — ich darf es nicht als Symptom bezeichnen, stelle es nur als auffallend fest —, daß unter den unbedingtesten Kämpfern für jüdische Volkserneuerung so viele — wenn nicht Ostjüdinnen — Arierinnen zur Lebensgenossin und Mutter ihrer Kinder wählten. Sie ziehen eben — unbewußt — unjüdische, aber sich selbst bekämpfende Weiblichkeit einer jüdischen — je leidenschaftlicher der gute Wille ist desto mehr — von der Ursprüngljchkeit abrückenden Weibhalbheit vor. . Ohne Zweifel sind unsere jüdischen Europäerinnen in ihrer rührenden, hilflosen Sehnsucht nach Gläubigkeit ihrem, trotz aller Unbefriedigung unentwegt treuem Suchen bewunderungswürdig, um so mehr, als sich ihre Bodenlosigkeit greifbar darin manifestiert, daß sie, wenn sie Sich und ihrer Liebe zum großen Ziel nicht untreu werden wollen, zumal aber, wenn sie in klarem Intellekt und zartem Gewissen die Gründe auf selten des westjüdischen Mannes erkennen und anerkennen, — geradezu 7.um Cölibat verurteilt sind. Wie die Assimilantin zur Scheinehe, formalen Ehe, seelischem Cölibat. Eines der Kennzichen: Mitherübergonommene Kinderfurcht. Nimmt man hierzu, daß beide im unaus- £efüllten Zentrum ihres Wesens das Vergebliche, vielleicht sogar das dem erstrebten Gemeinziel Schädliche ihres Opfers irgendwie fühlen, — erteilt einen die ganze furchtbare Tragik einer Übergangsgeneration. Aber wenn die Frauen diese Krise nicht nur überstehen, sondern e.och'iioch als Siegerinnen umgeschaffen aus ihr hervorgehen sollten, — '.Yüloh ein Geschlecht von Müttern müßte das werden! Eine Jugend des

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