Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 20-22 (25.7.1918)
- Article
- Die Westjüdin und die Idee
- Date
- 1918-07-25
- Page
- Seite 481 (sequence 5)
- Language
- German
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Messiasvolkes würde aus ihnen hervorbrechen, das die errungene neue Ganzheit des unbekümmerten Atmens in eigener Luft, in unendbarer Glückseligkeit zu schätzen wissen würde, und dennoch auch Miese ungetrübte vollkommene Naturverbundenheit nur als das ungefüge Material des Geisteswillens, als den Schauplatz und die Verwirklichungsgelegenheit der Idee anerkennen könnte. . -3J-; Jüdinnen . . Von Max Brod, Prag ehr geehrter Herr Redakteur! Sie wünschen einige Zeilen von mir über das Problem der jüdischen Frau und über die Frauengestalten in meinen Büchern insbesondere .... Sie meinten, daß ich in der Zeit seit Abfassung meines Romans „Jüdinnen" eine Entwicklung durchgemacht habe, die mir selber meine „Jüdinnen" jetzt in einem anderen Lichte erscheinen lassen dürfte. Sie baten mich um eine Art Konfession über mein erstes Frauenbuch. Sie deuteten auch an, daß Ihrer Meinung nach in der Öffentlichkeit mein Roman „Jüdinnen" für dasjenige Buch gehalten wird, in dem ich mich mit diesem Problem am intensivsten beschäftigt haben soll. Ich gestehe, daß Sie mich mit dieser-letzten Andeutung stark zur Erwiderung gereizt haben. Meine ^Stellungnahme zu dem Komplex „jüdische Frau" wird nach dem einen Buch „Jüdinnen" beurteilt, wohl deshalb, weil hier das Problem schon" in den Titel gerückt ist. Doch habe ich durchaus nicht alles in diesem einen Buch gesagt, das nur eine bescheidene Seitenansicht des Problems zeigt, In meinen anderen Büchern steht Wesentlicheres, namentlich in den beiden Dramen „Retterin" und „Eine Königin Esther", im Gedichtbuch „Das gelobte Land", sowie in dem noch ungedruckten Roman „Das große Wagnis". Über ein Erlebnis, in dem zwei so zentrale Bewegungen meines. Fühlens einander begegnen („Frau" und „Judentum"), — über ein solches Erlebnis kommt man nicht mit einem, nicht mit zwei Büchern hinweg: es ist Lebensinhalt, fortgestaltende, immer neue Aufwühlung der Seele, es. kann eigentlich, solange ich lebe, nicht abgeschlossen werden. Meine ganze Hoffnung liegt in diesen letzten Worten . . . Damit aber will ich nicht sagen, daß mein Roman „Jüdinnen" von mir selbst über die Achsel angesehen wird, daß ich eine gewisse bagatellisierende Betrachtung, die man ihm neben meinen andern Romanen, namentlich neben „Schloß Norncpyggo" und „Tycho Brahe" zuteil werden läßt, berechtigt flnde. Dieses Buch steht scheinbar ganz isoliert in meine? Entwicklung, erratisch, ein richtiger Roman nach dem urmaturalistischen Gefühl- und t Gedanken-Gebilde „Nornepyggc", das expressionistisch war, ehe das Schlagwort „Expressionismus" existierte, —■ also für alle jene, die mich nur als „modernen Autor" wollen, ein Rückschritt. , „ - Jahrelang sah ich selbst mit dieser Brille auf meinen Roman „Jüdinnen", mochte ihn gar nicht, fand ihn geradezu kompromittierend — man :":rfc