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Neue jüdische Monatshefte · 1918-07-25 · Heft 20-22 (25.7.1918) · p. Seite 476

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 20-22 (25.7.1918)
Article
Rahels geistiges Wesen
Date
1918-07-25
Page
Seite 476 (sequence 13)
Language
German
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v&ä zwar, auf.alles, was uns überhaupt berührt Darum, weil hier Dicht Einzelnes vorliegt, sondern eine gemeinsame Einsicht, Miteirsicht, karm>über manche Dinge in Recht ödör Unrecht keine Frage mehr obwalten und „wer Mensch ist, richten". Eier zeigt mch klar, wie Kabel gerade durch iSas, was ihre Einzigkeit äBQ3nachte: den großen Wahrheitszusauimenharig ihres Wesens, davor bewahrt war; im romantischen Sinne individualistisch zu sein. Gerade 5e der Persönlichkeit, deren Beginn und Wurzel das Gewissen ist, liegt die letzte Übereinstimmung alles Menschlichen. So entsteht die Verantwortung jedes einzelnen für das gesamte Geschehen. Und dies Gewissen, das niclit mehr eine Angelegenheit des Einzelnen, sondern ^mittelbare .Miteinsicht in das Ganze ist, pocht noch ganz anders als der ästhetHSch-kritasbhe historische Sinn der Romantik an die halbverschlossenen Tore des geschichtlichen Lebens: es pocht gewaltig am die versteinerten, schlafenden Herzen jeder Zeit. Vor allem aber an die der unseren. Mit bitterster Beschämung und Verzweiflung nur kann man heute die tiefen und klaren politischen Erkenntnisse Babels lesen, die uns hundert Jahre später Lebende in moralische Abgründe zurückgeworfen zeigen, über die Rahel schon die damalige Zeit der Einsicht nach hinaus glaubte. Nur eines ihrer Worte sei hier herausgegriffen: „Eins ist gewiß. Erobern will Europa nicht mehr Stücke Erde; aber ernster! Stücke Gleichheit: Freiheit ist nur Ausrede und iMißverstand. Die Rede ist vom Rechte und nicht mehr vom Herkommen: ganz einfach."" Und wie sie diese Gleichheit, die ihr wichtiger scheint als die „Ausrede44 einer doch nicht zu realisierenden oder auf jeden Fall für die Realisierung vorläufig zuvielen verschiedenen Deutungen ausgesetzten „Freiheit", als unbedingt sittliches Prinsip, als Vorbedingung alles Sittlichen versteht,' sagen die Worte: „Bas, woran nicht alle Menschen am Ende teilhaben können: ist nicht gut; das woran sie nicht teilhaben sollen: schlecht" Hier sind wir wieder wie letzthin in jeder ihrer Äußerungen au! dein Grund ihres Wesens selbst. Alle Menschen — dies ist, wofür sie gelebt hat. Nicht umsonst hat sie die Gewißheit: „Wir sind alle adlig imd haben viel vom Vater." Könnte noch ein Zweifel darüber bestehen, wie sehr ihr Leben allen gehörte, so müßte ihn die Grabschrift aufheben, die sie am Schluß ihres Lebens für sich erdacht hat: „Gute Menschen, wenn etwas Gutes für die Menschheit geschieht, dann gedenkt freundlich in öurer Freude auch .meiner." So freilich dürften wir nach ihrer Bitte heute Raheis nicht ge- -denken. Aber wenn wir es auch nicht mit freundlicher Freude können, wio es ihr Wunsch war, so sollen wir es mit brennenden Tränen, weil eo unsere Notwendigkeit ist. Wo immer im deutschen oder jüdischen Volk eine ewäge Lampe brennt, da muß sie heute entzündet werden, ünserö schwarze Finsternis zu •erleuchten. .Denn wir, die Deutschen ":::ü die Jra&on, sind unseren Idealen am tiefsten untreu geworden, weil illi' uns die remeien Flammen gebrannt, die größten Geister und Herzen r::ihcat und' gelebt haben» Auch Rahel ist einer der lebendigen Weg- ^ülcsr aur. Wahrheit, sum Guten, den unsere Zeit vergessen und vertan

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