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Neue jüdische Monatshefte · 1918-07-25 · Heft 20-22 (25.7.1918) · p. Seite 474

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 20-22 (25.7.1918)
Article
Rahels geistiges Wesen
Date
1918-07-25
Page
Seite 474 (sequence 11)
Language
German
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abgetrunken*» die reine: strahlende-Freude selbst« ist; Für diese Gewißheit, für den Beinheit&- und Freudengrund des Lebens-fand sie in sich selbst ferner, wieder den reichsten Bürger. Undoft und immer wieder hat de es. ausgesprochen, noch in den schwersten Qualen körperlicher Leiden, daß, wenn man sie nur nicht störe, ihr Leben: ein ewiges^Fest sei. - Es ist die innerste Festlichkeit des Überflusses, des über den engen Kreis des persönlichen Lebens in jedem Augenblick unmittelbar hinaus- Ichenden'Menschen, die, sobald er bei sich ist, vFreude, sobald er beim andern ist^ -Liebe' ist. Wie durch einfaches Beisichsein festlich und rein, so ist Rahel durch einfaches in die Welt Gerichtetsein liebend. Sie enthüllt die Seligkeit ihres eigenen Herzens, wenn sie erkennt: „Auch ohne Gegenstand-müßt'..ich ewig fortlieben", und doch konnte diese Erkenntnis nur aus der w ehesten Tiefe ihres Schicksals: gewonnen v/erden. Denn wenn sie davon spricht, \vie sich nur die Besten wie Goethes Tasso den Andern ganz in die Hände, an den Busen werfen können, so fügt sie gleich wieder ganz in sich selbst zurückgeworfen hinzu: „und ich, wenn ich einen'bessern Busen wüßte als den meinen!" Dies war ihr immer wieder erlebtes Schicksal: Sie, die nur empor, letzten Endes zur Wahrheit, zu Gott hinlieben konnte, hat nie einen Menschen gefunden, der auf dem Wege dahin lag, den sie der Wahrheit, Gott niiher empfand als sich selbst. Dennoch liebte sie, liebte immer wieder, immer tiefer; , und daß sie sö beständig ihr Hera gab, obwohl sie nie einen Menschen fand, der auf ihr Leben einen letzten bestimmenden Einfluß hatte,- daß ihr Herz .und ihr Geist im Grunde immer frei blieben, während sie immer hinströmten, sich verschenkten — diese vollkommene Un-( beirrbarkeit ,der Liebe wie der Wahrheit zugleich machen das ganze Weh und die ganze Größe ihres Lebens aus. Nirgends ist dies Schicksal vollkommener ausgedrückt, als in den einfachen und großen Worten, hinter denen ein ganzes Leben von unerfüllter Liebe steht: „Wenn wir einen all unsern besten Anforderungen entsprechenden Gegenstand fänden, würde nur Liebe, nie Leidenschaft entstehen: die Anstrengung, die uns übrige Liebe anzubringen, ist Leidenschaft" Hier stehen wir auf dem untersten Grund ihres. Lebens und "blicken- bis in seine höchste Spitze empor.- Wieder ist unten alles klar und rein, dann kommen die trüben, verwirrenden Wellen des Lebens, und wenn sie* von unten nach oben durchleuchtet sind, so bricht droben die heiligste Klarheit an. Denn hier fühlt man, wie dieses aus sich selbst liebende Herz, dessen geistige Schläge selbst' Liebe dncl, nicht ruhen kann, als bis es sich ddn allein würdigen Gegenstand der Liebe, der das Vollkommene selbst ist, erschaffen ha-t, und man versteht, wie inmitten der religiös auflösenden und schon aufgelösten . Z/dlt der Romantik, wo die einen in leerer Verzweiflung verdarben, die c^clora sich selbst vergotteten und wieder andere sich sehnsuchtsvoll toten Göttern ans- Herz warfen — hier, noch einmal ein schöpferischer :.:^ö3er Quell emporstieg: wie Bahels Erlebnisweise und Erkenntnisy/.±;o colbsfc auf die«: schlichteste Weise in Gott einmünden mußte. y:\ndiö Immer reinere, immer' leidenschaftslosere,. immer mehr sie v:£o:X werdende'.Liebe muß zuletzt notwendig auf- Gott als ihren alLein

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