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Neue jüdische Monatshefte · 1918-07-25 · Heft 20-22 (25.7.1918) · p. Seite 468

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 20-22 (25.7.1918)
Article
Rahels geistiges Wesen
Date
1918-07-25
Page
Seite 468 (sequence 5)
Language
German
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Cio .% ■ \ Natur gut, heilig, ein Original; nur, daß so wenige den Weg zu sich, selbst finden, Die irrende, wandernde Gottesglorie schwebte für sie über jedes Menschen Haupt. „Wir sind alle adlig und haben viel vom Vateh" Diese innerste Gewißheit, die sie in sich selber fand, ging allen* einzelnen Erleben zu unendlich voran, um durch nachträgliche Erfahrungen erschüttert werden zu können. Das von außen kommende- Böse, Falsche konnte-an dieser innersten, apriorischen Gewißheit gemessen ihr nichts anderes bedeuten als eben jene dumpfe Oberschicht; von Verwirrung, Mangel an klarer Erkenntnis. „Imaginatio", nannte es der ihr in diesem einen großen, urnationalen Wesenszug so nahe Verwandte, dem wie ihr vor der ursprünglichen, allem Einzelnen weit vorangehenden Wahrheitsgewißheit alles in der Erfahrung so wirr Durcheinanderliegende zu bloßer Negation und Verwirrung herabsank. Wo« aber Spinoza an der Überfülle des eigenen Lichts erblindend und nicht, imstande, die Gewalt seines religiösen Erlebnisses in die kalten Formeln der mathematischen Methode au fassen, bereits eine fertige, wahre, das Falsche und Einzelne durch ihre bloße Existenz negierende« Welt saL\ in der das Subjekt als vollendender Faktor ausgeschaltet war, da war Habel durch die späteren Großen: durch Kant und Fichte, auch philosophisch der Weg gewiesen, der der Tat nach von jeher der im Judentum wurzelnde war: der. des allein bewahrheitenden Subjekts. Ihr war als einer zugleich echt modernen und echt jüdischen Gestalt, in der das ursprüngliche jüdische Verhalten mit der Erleuchtung durch diedeutsche Gedankenwelt zusammentraf, der Wahrheitswille des lebendigen Subjekts das, was durch seine erkennende Tat allein alle Widersprüche der verwirrt und unfertig daliegenden Welt, in der wir uns. linden, lösen, was allein die Welt selbst vollenden kann — freilich zu dem' vollenden, als was sie uns nicht gegeben., aber was sie in Raheis Oberzeugung ihrem Wesen nach ist. Durch diesen Glauben an den, Güte- und Wahrheitsgrund der Welt, den sie in sich selbst verbürgt fand, besteht bei Rahel auch praktisch eine tiefe Übereinstimmung mit Spinoza;. die Art, wie die zuvor empfangene Wahrheit dem Leben; gegenüber als Gerechtigkeit alles Einzelne unmittelbar durchleuchtet, ist bei Spinozas Leugnung, bei Raheis Bejahung der subjektiven Mitwirkung durchaus die gleiche. Doch tritt von diesem Einheitspunkt ans sofort alles wieder scharf auseinander: dieselbe übergreifende Wahrheit, die durch ihre Ausschließlichkeit Spinozas Leben aussog* und verarmte, gelangte bei Rahel dazu, sich jeder größten und kleinsten Erscheinung des Lebens wie ihr nasses Gewand anzuschmiegen, ihr©' ebenste Gestalt zu enthüllen, sie wie ihr eigenstes Lebenslicht selber zu douchten. Gerade dieser strömende Reichtum des gleichwohl überall derselben Sicherheit und Klarheit ins Herz getroffenen Lebens, '^30 Überfülle der durebr die Wahrheit bezwungenen Inhalte ist für icls geistiges Bild, charakteristisch. Wenn ein Mensch wesentlich geworden ist, seine eigene Natur das ihn umgebende Leben mit Wahrheit durchdrungen hat, so ist c-3 gwecca. Aber dies geschah nicht durch Vereinfachung ihres;"'^w^s und der Welt, nicht durch Einengen, Lichten und Heraus-

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