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Neue jüdische Monatshefte · 1918-07-25 · Heft 20-22 (25.7.1918) · p. Seite 460

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 20-22 (25.7.1918)
Article
Die Religiosität und die jüdische Frau
Date
1918-07-25
Page
Seite 460 (sequence 2)
Language
German
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460 Eitelkeiten abzugeben. Und ich kann die Blicke nicht wenden von denschon eingetretenen traurigen Folgen der Sünde am heiligen „Werk" (kostbares Lehnwort das!), von der tagtäglichen Erfahrung des letzten Jahrhunderte, die ich mir durch schöne und billige Redensarten nicht verfälschen lasse. Ich kann mich darüber nicht hinwegtäuschen, was offen für jedermann sichtbar -ist, daß, wer damit anfängt, diese ' oder .jene religiöse-Übung nicht mehr so ernst zu nehmen,, entweder noch selbst oder in seinen Kindern oder Enkeln-mit vollkommener Gottblindheit endet. " Für mich kann also die Frage nach der Bedeutung der jüdischen Frau für die Religiosität nur die Frage bedeuten, ob die jüdische Frau mehr dahin neigt, wo mau" bestrebt ist, den wunderbaren Dom des- Judentums, in dem jedes, Steinchen für das Ganze und für den Geist,, der in diesem Ganzen thront, unersetzlich ist, zu erhalten und zu festigen, oder dahin,,wo man Stein um Stein löst, Säule auf Säule stürzt und dem^Ende zuarbeitet, da der Dom in Schutt liegt und aus diesem der Geist, die Erkenntnis und Anbetung Gottes fliehen; ob sie mit einem Worte mehr bauen oder niederreißen hilft Da scheint es mir nun vor allem, als ob sich die Religiosität der jüdischen Frau nicht zu allen Zeiten gleich bewährt hätte. Hinsichtlich des.., biblischen Altertums wird man überhaupt nicht so leicht eh/Urteil wagen dürfen Die heilige Schrift bietet wohl keinen Anhaltspunkt dafür. Nur die Propheten — deren Zornlavä übrigens von unseren heutigen Wickelkindeni religiösen „Erlebens'* wie irgendwelche erstbeste „werkufeindliche Redeflut behandeln wird — eröffnen einigermaßen unerfreuliche Ausblicke. Jedenfalls sind die Damen, die z. B. Jesajas beschreibt, sicherlich nicht jene züchtigen, tüchtigen und gottesfürchtigen Frauen gewesen, wie wir sie in späteren Zeiten auf dem Boden des jüdischen Gesetzes erwachsen sehen. Auch für das nachbiblische Altertum bleiben wir im unklaren. Daß die Frauen in der . hellenistischen Bewegung eine Rolle gespielt haben, ist kaum zu bezweifeln. Aber selbst wem man diese für noch so groß annimmt, aiszureichende Grundlage einer Urteilsbildung kann sie nicht dienen. Man müßte erst. Genaueres darüber wissen, wie sich die Volksmasse-' in ihrer weiblichen Hälfte zur hellenistischen Irreligiosität und zur jüdischen Religiosität verhalten hat. Und das weiß man eben nicht. Erst, im rabbinischen Zeitalter und von da ab herunter bis knapp vor Beginn der neuesten Zeit wird mit wachsender Gleichmäßigkeit ein jüdi- . scher Frauentypus sichtbar, über dessen religiöse Artung kein Zweifel sein kann. Namentlich in den letzten Jahrhunderten vor der Emanzi- . pation tritt, uns die jüdische Frau als eine der Hauptstützen der Religiosität entgegen. Indem sie in stiller Tapferkeit, in liebevoller Pflichterfüllung, mit jener Sorgo für die Einzelheit, die das Kennzeichen von. Gewissen, Charakter und Kultur ist, ihr Haus nach Gottes Gebot aufbaut, baut sie zugleich am Hause des Herrn mit, verleiht sie erst den Bet- und Lehrhäasern der Männer Bestand, sichert sie erst jene- AtmospMro übsamer Innigkeit, ohne die es kein Volk in Demut und Anbetung vor Gott gibt.

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