Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 18 (25.6.1918)
- Article
- Der Zionismus und die messianische Sendung des Judentums
- Date
- 1918-06-25
- Page
- Seite 422 (sequence 8)
- Language
- German
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neue Wahrheit erscheinen. „Das nationale Ich seiner Deutschheit ist die Wahrhaftige ethisch-soziale Realisierung des Idealismus der Menschheit/' (Deutschtum und Judentum.) Und was lehrt Her mahn Cohen selbst, der Philosoph des antizionistischen, deutschen Judentums, speziell über den „körperlichen" Staats begriff? „Für die geschichtliche Einsicht" gibt es „keinen Gegensatz zwischen der politischen Existenz und aller geistigen, literarischen Erscheinung des nationalen Daseins44. „Der Staat ist ebenso der Gipfelpunkt der Nation, wie der Menschheit" und „die Staatsidee" , wiederum „gipfelt im Staatenbunde", der aber „nur die Staatsidee in ihrer Vollendung'zu bedeuten und den Einzelstaaten ajs ihr eigenes Ziel vorzuhalten hat". Die Berechtigung der Einzelstaaten wird dadurch keineswegs geschmälert. „Es bleibt doch der einzelne Staat . . . die ursprüngliche Kraft, von der die Lösung der ethischen Aufgabe der Menschheit ausgehen und anheben muß." (D. u. J.) Bub er verweist noch auf einen andern Satz Cohens: Der Staat „vollzieht die Realisierung der Sittlichkeit auf Erden" (Der Jude I S. 428). Gilt dies alles vom „körperlichen Nations- oder Staatsbegriff" schlechthin, so erfordert, wie man meinen sollte, die Logik die entsprechende Beziehung auch auf den jüdischen „Nations- oder Staatsbegriff~2)- Zuletzt wenden wir uns an die geschichtliche Erfahrung. Im ersten jüdischen Staate war es, wo die Prophetie erblühte und jenes „Wesen des Judentums" entstand, das im messianischen Ideal seinen Höhepunkt hat. Und der zweite jüdische Staat brachte zum mindesten einen großen Teil der Psalmen hervor, die Synagoge und das Lehrhaus und jenen ganzen P h a r i s ä i s m u s, dessen ethischreligiöse Bedeutung neuerdings sogar bei christlichen Gelehrten die verdiente Würdigung findet. Gewiß war der erste wie der zweite jüdische Staat oft der „Spielball der großen Mächte" ihrer Zeit, gewiß waren' beide „in den Haß und Streit der Völker" gestellt. Und im Innern fehlte es nicht an Kämpfen und Reibungen, an Häßlichem und Minderwertigem aller Art. Allein die Bibel und immerhin d i e M i s c Ii n a — nach ihren Grundlagen — konnten doch nur im jüdischen Staat entstehen. Die Diaspora vermochte den „jüdischen Gedanken" lediglich zu vertiefen, in Einzelheiten zu entwickeln, bis zu den kleinlichsten Konsequenzen zu verfolgen. Das Judentum des jüdischen Staates, auch das des zweiten, war schöpferisch, die gesamte Weltkultur befruchtend; das Judentum der Diaspora, des „Galut", war vorwiegend erhaltend und allenfalls im einzelnen Ausbauend. Die Zionistische Organisation erstrebt, um es zu wiederholen, nicht unbedingt einen „Judenstaat" in Palästina. Aber wir vermögen nicht einzusehen, wie eine Gefahr für das Judentum als „universeller Religions- und Sittlichk.ei tsb egrif f", -für das „niessianische" Judentum, entstehen sollte, wenn trotzdem die Entwicklung oder die Weltereignisse der Gegenwart zu einem jüdischen Staatswesen führen würden. ---/ ") Vergl, auch Jakob Kiatzkin im „Juden" II, S. 370.