Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 18 (25.6.1918)
- Article
- Der Zionismus und die messianische Sendung des Judentums
- Date
- 1918-06-25
- Page
- Seite 423 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2908689-2908714-2908730-2911011--1772-2911042- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
425 V. So verhält es sich mit dem einzigen Einwand, den die antizionistische deutsche Judenheit gegen den Zionismus noch aufrecht erhält. Herr Geheimrat Fuchs glaubt sich einmal auf Achad Haam berufen zu dürfen. Ich möchte abschließend desgleichen tun. In einem für unsere Frage besonders wichtigen Aufsatz3) behandelt Achad Haam das Verhältnis von „Körper und Geist" im Judentum, zugleich im Hinblick auf das nationale Leben des jüdischen Volkes. Er zeigt, wie'sehr die Propheten „das politische Leben liebten und wie sehr sie die Notwendigkeit der politischen Freiheit gerade für die Erstarkung jener - Ideale fühlten, in deren Namen sie redeten und kämpften . . Deshalb wollten die Propheten auch im nationalen. Leben jenen Grundsatz zur Geltung bringen, den das Judentum im persönlichen Leben festhielt: „Einheit des Körpers und des Geistes . . Dieselbe Auffassung vertraten später die Pharisäer. „Sie wußten genau, daß ein Geist ohne Körper nur ein wesenloser Schatten ist und der Geist des Judentums, um sich entwickeln und sein Ziel erreichen zu können, notwendig eines politischen Leibes bedarf, indem er sich konkret zu verkörpern vermag.44 Wohl gibt es heute gewisse extreme Gruppen, die einseitig am „Körper* oder am „Geist44 orientiert sind. l„Aber wenn, wie wir hoffen, Israel dereinst sein drittes Reich haben wird, dann wird im privaten wie im nationale:-. Leben dessen unerschütterliche Grundlage sein: nicht die Herrsch a f t des Körpers über den Geist und nicht die A b t ö t u n g des Körpers im Namen des Geistes, sondern — die E r Ii ö h u n g des Körpers durch den Geist." Montaigne, ein jüdischer Denker Von Albrecht Hellmann (Schluß)*) II. Das Werk. \ Wie nur bei ganz wenigen Denkern gilt vornehmlich für Montaigne der Satz, daß.Werk und Leben eine untrennbare Einheit bilden, indem das Leben sich am Werke rechtfertigt und das Werk sich am Leben bewährt. Die * äußeren Lebensumstände Montaignes verlaufen in einer sehr ruhigen und geraden Linie, die keinerlei aufregende Unterbrechungen kennt. 1533 als Sproß eines reichen, erst seit kurzem adligen Kaufmannsgeschlechts aus Bordeaux auf Schloß Montaigne in der Provinz Perigord geboren, erhält er eine sorgfältige Erziehung durch einen lateinischen Hauslehrer, studiert die Rechte, wird Parlamentsrat in Bordeaux, zieht sich, dann auf sein Gut zurück, schreibt dort in der s) Basar Weruach, AI Paraschath Derachim III, S. 222 ff. *) Siehe Nr. 17 vom 10. Juni 1918 dieser Zeitschrift.