Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 18 (25.6.1918)
- Article
- Der Zionismus und die messianische Sendung des Judentums
- Date
- 1918-06-25
- Page
- Seite 419 (sequence 5)
- Language
- German
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419 fährdet ein jüdischer Staat das Judentum in seiner „Mission", m seinem „messianischen Beruf'*? 1. Der Zionismus weiß oder hat unter dem Einflüsse Ach ad Haams einzusehen gelernt, daß selbst in ferner Zukunft, wo nach zionistischer Überzeugung ein beträchtlicher Teil der Judenheit in Palästina leben wird, ein allerwenigstens ebenso großer Teil in der Diaspora bleibt. "Wer und was hindert alsdann diese ansehnliche Diasporajudenheit, für den „messianischen Beruf" des Judentums wie bisher tätig zu sein? Die Juden der Diaspora werden, ungefähr ähnlich wie heute die Griechen in der Türkei oder die protestantischen Deutschen (Balten) in Rußland, lediglich-für Angehörige der jüdischen Heligions- und Volksgemeinschaft gelten, die mit dem jüdischen Staat in Palästina politisch nicht das. geringste zu tun haben oder zu haben brauchen. Die entsprechende Erfahrung der Gegenwart zeigt, daß nicht einmal ein Weltkrieg an diesem Zustand etwas ändern würde. Man kann indessen, auf alle theoretischen Erörterungen verzichtend, einfach die Geschichte sprechen lassen. Hatten wir nicht schon den ganzen fingierten Fall als Wirklichkeit? Zur Zeit des zweiten jüdischen Reiches gab' es in verschiedenen Ländern eine große jüdische Diaspora. Gerade damals blühte in Ägypten jenes rein geistige Judentum, das ungefähr das Ideal der antizionistischen deutschen Judenheit darstellen dürfte. Der Bestand des, sogar nächstbenachbarten, jüdischen Staates hinderte nicht im mindesten einea Philo und die übrigen alexandrinischen Denker und Dichter, das Judentum als „universellen Religions- und Sittlichkeitsbegriii" zn pflegen und unter den Griechen den „jüdischen Gedanken" zu verbreiten. Wem von den Alexandrinern fiel es ein, den jüdischen Staat im nahen Palästina als eine „Gefahr für das Judentum", das sie vertraten, anzusehen; zu meinen, sein Dasein schwäche den „messianiseb^-j Beruf", die „Mission" des Judentums-? 2. Wir haben bisher den antizionistischen Einwand so behandelt» als ob er mit der Auflassung recht hätte, daß ein jüdischer Staat für sich genommen eine Schwächung des „Ideenkomplexes" des Judentums bedeutete, und dagegen nur vorgebracht, daß durch einen palästinensischen „Judenstaat" das „messianisehe" Diaspora Judentum keinesfalls beeinträchtigt wird. Jetzt aber fragen wir: ist denn jene antizionistische Auffassung selbst berechtigt? Es gilt festzustellen, was der „messianisehe Beruf" eigentlich meint und wer überhaupt sein Träger ist. Der im Messlanismus gipfelnde jüdische „Ideenkomplex" büdet nicht so sehr eine philosophisch-theoretische, als vielmehr eine praktische Lebens lehre. Auf eine Verwirklichung kommt es vor allem an. Darin liegt der Sinn des Messianismus, daß das „Reich Gottes" durch uns herbeigeführt, die Herrschaft der Sittlichkeit auf Erden begründet werde: unsere unablässige Tat verlangt <kr „messianisehe Beruf" des Judentums. Der Träger aber dieses „Berufes", das Subjekt der „Mission" <hx Judentums, ist nach der Konzeption der Schöpfer der messianiseher.