Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 18 (25.6.1918)
- Article
- Der Zionismus und die messianische Sendung des Judentums
- Date
- 1918-06-25
- Page
- Seite 418 (sequence 4)
- Language
- German
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4t© Sache. Obwohl die deutschen Juden mehrere wesentliche der historischen „objektiven" Merkmale der jüdischen Nationalität im ganzen unversehrt und teilweise die anderen in der abgeschwächten Form der Überlieferung erhalten haben und weitererhalten wollen, weigern sie sich, darin die objektive Grundlage eines Bekenntnisses zur jüdischen Nationalität anzuerkennen. Sie bekennen sich zur deutschen Nationalität, von der sie trotz allem lediglich einen Teil ihrer „objektiven" Merkmale besitzen und besitzen wollen, während sie den anderen Teil — Abstammung, ursprüngliche Gesehiehts-, Sprach- und Kulturteilhabe und dadurch vornehmlich mitbedingte körperlich-geistige Sonderprägung — in keiner Weise beanspruchen dürfen. Indem so die deutsche Judenheit, obwohl sie, wie gezeigt, objektiv der historischen jüdischen Volksgemeinschaft angehört, subjektiv deutechnational sein will und daher auch nicht für jüdisch-nationalistisch, d. h. die jüdische Nationalität erlebend und bekennend, gelten darf, entsteht ein eigener Zwitterzustand. Dieser Zustand ist es, den die Zionisten als unerträgliche Zwiespältigkeit und Halbheit empfinden. Sie fordern darum, daß diejenigen Glieder der historisch als nationales Ganzes gegebenen jüdischen Gemeinschaft, welche den Prozeß der „objektiven" jüdischen Entnationalisierung nicht konsequent bis zum Ende führen wollen, konsequent den Weg der vollen nationalen Wiederherstellung beschreiten sollen. Und als einzig zulängliches Mittel der nationalen Wiedergeburt des nach Abstammung, Geschichte, Religion und Überlieferung unteilbar einen jüdischen Volkes betrachten sie die Schaffung einer „Heimstätte" in seinem Stammland Palästina, wo sich das jüdische nationale Leben voll und frei entfalten könnte und an dem die Juden auch in Deutschland teilnehmen sollen — soweit es ihnen möglich ist und soweit es ihr deutsches Staats- und Kulturbürgertum gestattet. IV. Ist es nun an dem, daß die erstrebte „Heimstätte" für das jüdische Volk in Palästina dessen „messianischen Beruf" schwächt und gefährdet? Im voraus muß zweierlei festgestellt werden. Einmal, sei betont, daß auch mir wie zum mindesten allen übrigein, an Zahl nicht gar so genügen, „geistigen" und „Ivultur"zionisten das historische messianische Ideal, ab Gipfelpunkt des gesamten „Ideenkomplexes" des Judentums, das absolute Endziel der jüdischen und der allmenschlichen Geschichtsentwicklung bedeutet, an dem jede wahrhaft nationale jüdische Bewegung notwendig oriontiert sein muß. Sodann ist darauf nachdrücklich hinzuweisen, daß der Zionismus und die zionistische Organisation nach allen offiziellen Kundgebungen und aufklärenden Veröffentlichungen dos verantwortlichen Stellen nicht unbedingt einen jüdischen Staat in Palästina erstrebt. Dennoch wollen wir entgegenkommend im folgendem die Annahme des antizionistischeni Wortführers zugrunde legen, wonach die Entwicklung schließlich zu einem jüdischen Staat hinfeiben müsse, f Wir fingieren also, es gehe dem Zionismus durchaus uiü einen „Judenstaat" und stellen die Frage so: schwächt und ge-