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Neue jüdische Monatshefte · 1918-06-10 · Heft 17 (10.6.1918) · p. Seite 407

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 17 (10.6.1918)
Article
Kleine Geschichten
Date
1918-06-10
Page
Seite 407 (sequence 3)
Language
German
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4m Das Ende der Wolt Dort, jenseits^des Friedhofes hinter der Stadt kommen Himmel und Erde zusammen. ' Dort, jenseits des Friedhofes hinter der Stadt ist das Ende der Welt- So haben wir alle im Cheder entschieden und die Vereinbarung getroffen: Samstag nachmittag, während alle Welt, alle Juden, die ganze Stadt in süßen Sabbathschlummer versinken, treffen* wir uns und spazieren ans Ende der Welt. Samstag nachmittag, als alle Welt, alle Juden, die ganze Stadt in süßen Sabbathschlummer versunken war, taten wir uns zusammen und machten uns auf den Weg an das Ende der .Welt. Und wir .schritten aus. Eine Stunde, zwei oder drei, ich woiß es nicht. Genug, wir langten endlieh mit Gottes Hilfe bei der Mühle, .der Windmühle an. Hier ließen wir uns zur Ruhe nieder, saßen, lagen, streckten uns, reckten uns auf dem Grase, auf dem duftigen Grase und fielen in einen leichten Schiummer. Jeder von uns war sich selbst hingegeben, seinen Gedanken und seinem Genuß. Niemand sprach ein Wort. Keiner mochte. gestört werden oder selbst stören. ,,WTo ist also davS Ende der Welt?" begann endlich einer. „Hier ist es ja, Dummchen!" antwortete ihm ein zweiter. Und einstimmig entschieden wir, daß hier hinter der Windmühle der Welt Ende sei. Darüber hinaus befinden sich die Berge der Finsternis, die Höre Choschech. Sie sind mit schwarzem Grase bedeckt Die zwerghaften Jüden wohnen dort. Gott hat sie verstoßen um ihrer langen Zunge willen, die sie einer zum Verderben des andern brauchten. Jenseits der Berge aber befindet sich das erstarrte Meer, wohin clor Sturmwind die großen und kleinen Schiffe treibt, von wo es keine Rückkehr gibt. ... * „Ins Both-Hamid rasch, Straßenjungen«! Ins Beth-Ilitmk! rasch mit Euch! Eine feine Jungmannschaft! Vielleicht war es besser, a.m Sabbathnachmittag bei einem jüdischen Buch im Beth-Hamidrasch zu sitzen, anstatt sich hier mit allen Lausbuben hinterder Mühle herumzuwälzen. Ins Bcth-Hamidrasch mit Euch, Goim, Dummköpfe, ins Beth- Hamidrasch!" Es war dies Motte mit der roten Wange, ein angesehener Judo, ein Gelehrter, ein wohlhabender Bürger, der eine Stube und einen vornehmen Platz im Beth-Hamidrasch sein eigen nennen durfte, einen Platz an der Ostwand, dicht bei der heiligen Lade. Teilung Heute sind sie Mode geworden: die Vereine, Schulen, Kinderschulen, Asyle. Früher einmal hatten wir keine Ahnung von diesen Dingen, Es starb ein armer Mann und hinterließ ein Dutzend Kinde?. Was ist zu tun? „Nehmt sie und werft sie ins Waaser. Man red't nur so. Man hat noch keine lebendige Seelen ins Wasser geworfen. Idar* red't nur so . .

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