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Neue jüdische Monatshefte · 1918-06-10 · Heft 17 (10.6.1918) · p. Seite 400

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 17 (10.6.1918)
Article
Die Wiederkunft des biblischen Motivs im jüngsten deutschen Drama
Date
1918-06-10
Page
Seite 400 (sequence 5)
Language
German
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40Ö gerade aufgesucht ward, verweist doch auch diesen Sonderfall in das Bereich unserer . Betrachtung. Der größte Stoff, den das ganze alte Testament für den Künstler enthält, dürfte aber wohl der von Saul und David sein. Der Kontast zweier Temperamente und zweier Generationen ist mit elementarer Größe und mit einer Fülle kostbarer Einzelzüge aufgestellt. Seltsam genug, daß nicht die Dichter, die es von Anbeginn hundertfach zu diesem Gegenstande zog, sondern nur die Maler hier bisher höchstes Meisterwerk geschaffen haben: Rembrandt im Haag. Jedenfalls werfen sich die deutschen Dramatiker im letzten Jahrzehnt in kaum noch übersehbarer Zahl wieder auf dies großartige Thema, um es in einzelnen Episoden oder in seiner Ganzheit zu bewältigen. Bassewitz und der neuerdings sogar mehrfach gespielte Seebrecht zeigen mehr ein Wissen um die Größe des Gegenstandes als Kraft zu seiner Gestaltung. Schawaller und Zimmermann sind nur in Einzelheiten stark, im Ganzen undicht und zerflossen. Aber Reinhard Sorge, der merkwürdige Dichter jenes dilettantisch-genialen, unlängst in Berlin aufgeführten „Bettler", Reinhard Sorge, der bald nach seinen dichterischen Anfängen katholisch wurde und dann im Felde fiel, hat einen „König David" hinterlassen, der mit bedeutender Kunst den Stoff zu einem messianischen Spiel im Sinne der christlichen Kirche stylisierte. Und in äußerstem Kontrast dazu hat jüngst Paul Zifferer „König Davids Saitenspiel" — „nach umgeschriebenen Szenen Voltaires" behandelt —, voll skeptischer Spötterei und Heroenverkleinerung, im ganzen zu breit, im einzelnen oft sehr witzig, aber jedenfalls, wie. jede rechte Travestie gebührenden Respekt vor der Wucht und dem Ansehen des betreffenden Mythos bezeugend. (In ähnlichem Sinne wäre noch Georg Kaisers „Jüdisch Witwe4', eine Dramatisierung der Judith in zynischem Beardsleystil zu nennen.) Zu den künstlerisch stärksten Versuchen aus dem Davidkreise gehört dann noch Arnold Zweigs „Abigail und Nabal", in dem aus der Dramatisierung einer Davidanekdote zum mindesten die Gestalt des Nabal zu wahrhaft dichterischer Größe aufgewachsen ist. Davids Erbe Salomo, der Weise, der Kampfentrückte, der Entsagende, ist schon nicht mehr von gleicher dramatischer Ergiebigkeit. Indessen hat auch die Gestalt des großen Zusxhauers, des weisen Richters als Hintergrund, als Resonnanzfläche für den Dramatiker einen nicht geringen Wert. 'In diesem Sinne ist die Salomogestalt u. a. von Adolf Paul (der übrigens auch David und Goliath in höchst voltaireschen Szenen behandelt hat) in seinem Drama „Die Sprache der Vögelu benutzt worden, und von Elisabeth Troge in ihrem sehr ergreifenden Frauendrama „Das Urteil des Salome*'. Die folgenden biblischen Bücher (es kommen natürlich die « „Könige'4, nicht die theologisch-statistischen, kahlen „Chronika" in Betracht) enthalten noch dramatische- StoSo genug. (Racines Athalie ist ja höchst berühmt). Aber diese Figuren haben nicht die große Popularität, die tiefe Re^onnanz, wohl auch nicht die menschliche Größe und

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