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Neue jüdische Monatshefte · 1918-06-10 · Heft 17 (10.6.1918) · p. Seite 401

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 17 (10.6.1918)
Article
Die Wiederkunft des biblischen Motivs im jüngsten deutschen Drama
Date
1918-06-10
Page
Seite 401 (sequence 6)
Language
German
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401 sinnbildliche Kraft der früheren Gestalten. Eine Ausnahme bilden nur etwa die Propheten, vor allem Jeremia, den Eduard Meyer mit Recht die erste^ faßbare große Persönlichkeit der Weltliteratur nennt Um ihn haben sich denn auch neuerdings Dramatiker bemüht; vor allem hat Stefan Zweig in einem großen Bühnengedicht von feierlich rhetorischer Breite hier ein Gleichnis für die kriegleidende und friedenfordernde Seele der Gegenwart gefunden. Diese höchst unvollständige Aufzählimg mag doch genügen als Beweis dafür, daß es sich bei der Wiederkunft des biblischen Motivs im jüngsten deutschen Drama um ein wirklich starkes und auffallendes Phänomen handelt. Die Erklärung ist nicht etwa damit zu geben, daß die Autoren Juden sind, die von ihren Urvätersagen natürlich angezogen werden. Weder Hauptmann noch Harlan, weder Wedekind noch Eulenberg, auch nicht Dietzenschmid, Seebrecht, Bassewitz, Steffen, Sorge, Kaiser, Paul und die Troge sind jüdisch. Es läßt sich also nicht leugnen, daß irgendwie eine neue, starke Anziehung zwischen den ältesten und vornehmsten Schöpfungen des jüdischen Geistes und dem jüngsten Deutschland stattfindet. Und das Phänomen wird nur so zu deuten sein, daß die Jugend die neuerdings dem Kreis sinnlicher Abhängigkeiten und Gereiztheiten entstrebt, ein Gleichnis ihres Willens findet in diesen Kämpfen, wo sich freieste menschliche Kräfte doch stets im Zeichen eines göttlichen Geistes messen. Ob dieso Begegnung jungdeutschen und altjüdischen Geistes für die Möglichkeit oder gar für die Nähe einer endgültigen Verständigung zwischen diesen uns wichtigstem Geistesmächten zeugen darf — das wird davon abhängen, ob der Deutsche sich gewöhnt, das wahre jüdische Wesen mehr in seineu zeitlos großen Manifesten als in zufälligen Erscheinungen einer oft sehr unmaßgeblichen Gegenwart zu suchen. Und freilich nicht weniger davon, ob der Jude aus den zufälligen Zerrissenheiten seiner Gegenwart den Rückweg zu den großen, reichen, tiefen Quellen seiner Art finden wird! Daß sieh beide auf diesem großen• Menschheitsgrunde begegnen könnten, scheint mir jedenfalls durch diese Bewegung der dramatischen Künstler verbürgt. Montaigne, ein jüdischer Denker Von Albrecht Hell mann I. Die Abstammung f|W(§$n seinem Buche „Der Greco oder das Geheimnis von Toledo"1) Tv^ff^ erzählt der französische Dichter Maurice Bar res von Leben und Werk des größten Enthüllers der spanischen Seele, der wie wenige Jahrzehnte später Reinbrandt in Amsterdam im Ghetto der alten Tajostadt lebte. Der aus Kreta stammende Greco scheint Barres „vorausbestimmt gewesen zu sein, x) Maurice Barres, Der Greco oder das Geheimnis von Toledo, übertragen von Wilhelm Hausenstein. München, Georg Müller und Eugen Rentsch Verlag.

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