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Neue jüdische Monatshefte · 1918-06-10 · Heft 17 (10.6.1918) · p. Seite 398

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 17 (10.6.1918)
Article
Die Wiederkunft des biblischen Motivs im jüngsten deutschen Drama
Date
1918-06-10
Page
Seite 398 (sequence 3)
Language
German
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39B Versuch, diese Erscheinungen auszudeuten, will ich sie aber erst durch einige tunlich kurze Anführungen belegen. Wenn wir dabei die mächtige StoÖmasse nach dem geschichtlichen Gang des Bibelbuches ' ordnen, so wird sich, glaube ich, zeigen, daß diese Anordnung vom . dramaturgischen Standpunkt aus keineswegs so zufällig und gleichgültig ist, wie es zunächst scheint. Gleich vom Paradiesesmythos, der noch immer wieder Dichter anlockt, ist zu sagen, daß er seiner innersten Natur nach der dramatischen Form ungünstig ist Wenn Adam und Eva überhaupt keine menschlichen Gegenredner, sondern nur Urmächte zu Partnern haben, so stellt Kain und Abels Konflikt freilich den dramatischen Urfali dar. . Aber diese Menschen selbst sind eigentlich nicht Individuen in künstlerisch umgrenztem Sinne, sind große Typen, Manschen an sich, gerade weil sie in so wunderbarer Weise eben als „erste Menschen" vor jede soziale, nationale, kulturelle Eingrenzung gestellt sind. Hier wird wohl immer nur eine Art leidenschaftlichen Oratoriums wie Byrons große Rhapsodie „Kain" entstehen können. Trotzdem haben auch hier die Jüngsten Versuche angestellt. Der von Arno Nadeis „Adam" scheint mir allzu primitiv. Wenn ich den „ersten" Menschen zu dramatischer Belebung andere Menschen als Gegenspieler hinzuerfinde, so scheint mir das Problem recht nach der Art des Dr. Eisenbart gelöst, der Zahnschmerzen durch einen Pistolenschuß in den Kopf zu heilen pflegte. Etwas ganz anderes ist der auch im Psychologischen sehr interessante Versuch von Koffka, der sein „Kainu genanntes Drama in einem zeitlich vagen aber ziemlich modernen und jedenfalls ganz geschichtlich kultivierten Bauernmilieu ansiedelt und dabei mit seinem Namen den Schatten der in der Wurzel ja auch bäurischen' aber in riesenhaftem Umriß., geschichtlich entfärbten Religionsdichtung nur so beschwört, wie etwa ein Maler, dem in sich geschlossenen. Bilde durch einen planvoll gewählten Rahmen noch einen besonderen Akzent leiht. Die große Idyllendichtung der Erzväter hat nun bereits viel mehr-die Farbe eines bestimmten geschichtlichen Milieus. Aber diese Farbe ist an sich der tragischen entgegengesetzt. Der alles lösende, durch Wunder versöhnende Geist des Märchens herrscht in dieser köstlichen. Welt. So glaube ich, daß hier eher tiefe Idyllen und bedeutsame Komödien ab tragisch-dramatische Kampfspannungen zu finden sind. Des stärkste Dichter der vorjüngsten Generation, Gerhart Hauptmann., hat mit dem kostbaren Fragment des „Hirtenliedes'4 an diese Welt, gerührt. Walter Harlan hat in seiner Komödie „In Kanaan4' die heikle Tamartanekdote zu. einem ■ heiteren Spiel tiefer Lebensfr&aniigkeit in der reinen Bergluft der lebhaft versinnlichten Patriiirchenzeit gestaltet. Ein an sich talentvoller Versuch eines jungen 'Oictzenschmid dagegen, die Verstoßung,der Hagar zur Tragödie m formulieren, leidet für mein Gefühl gerade darunter, daß in diesem cictiGchett Kampfe der Geisterhauch des wundertätigen Gottes verloren at, der doch das innerste Leben und die Schönheit dieser Erzväter- Tuytheiv ausmacht,

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