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Neue jüdische Monatshefte · 1918-05-10 · Heft 15-16 (10.5.1918) · p. Seite 368

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 15-16 (10.5.1918)
Article
Hermann Cohens Philosophie des Judentums
Date
1918-05-10
Page
Seite 368 (sequence 11)
Language
German
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36S an das Sittliche und arbeite am Sittlichen. Das ist. der echte, der schaffende Optimismus: Der Glaube an die sittliche Arbeit, Es ist aber ein falscher Optimismus, wenn man sagt: Alles in der Welt ist gut, da es doch von Gott kommt Das ist kein Glaube an die sittliche Arbeit, an das sittliche Werden; sondern: an das starre, tote Sein. Nicht: es ist. gut, sondern: es wird gut sein — sagt der Messianismus. Daher dürfen uns all die Reaktionsströmungen nicht entmutigen, die Sackgassen der Geschichte unseren Weg nicht verdunkeln; sie sind uns ein Ansporn zum Kampf. Dieser messianische Glaube ist ein Grundpfeiler des Judentums. Die ganze Martyrologie unseres Volkes bestätigt es. Wir müssen noch eine weitere Entwicklung der prophetischen Gottesidee berücksichtigen. Wenn der Psalmist der messianischen Idee in Sehnsucht sich hingibt, dann ist es nicht das Ende des Krieges, das er herbeiwünscht, den Frieden auf Erden, unter den Volkern und unter den Menschen, sondern seine eigene Seele ist es, deren Ängste und Nöte er vor seinem Gotte ausbreitet. Die Religion der Propheten ist immer nur die Religion der Sittlichkeit. Ihr Gott ist Gott der Gerechtigkeit; er ist zwar auch Gott der Liebe, aber er ist es nur, weil er. Recht und Gerechtigkeit liebt. Man konnte es paradox ausdrücken und sagen: Die Propheten haben noch gar nicht Religion geschaffen, sondern nur Sittlichkeit. Sie haben die Idee der Menschheit entdeckt, das Verhältnis von Mensch und Mensch gelehrt. Wo bleibt aber das Xnd-ividuuni in seinem Verhältnis zu Gott? Erst mit den Psalmen verwandelt sich die Sittlichkeit in Religion. Die Einsicht des prophetischen Sozialismus geht nunmehr in Religion auf. In den Psalmen oüenbart sich das menschliche Individuum in seiner Sehnsucht nach Erlösung, in seiner Sehnsucht zu Gott. Der Gott der Selmsucht ist der Gott der Erlösung; und die Sehnsucht entfaltet sich im Gebete. Mit den Psalmen entsteht das sittliche Gebet. Was für die Menschheit die Idee des Messias, das ist für das Individuum die Idee der Erlösung. Auch hier können wir eine tiefgehende Differenz zwischen Judentum und Christentum feststellen. Christus ist Erlöser des Individuums. Der jüdische Messias ist Erlöser der Menschheit. Das Individuum, aber besitzt in seiner sittlichen Quelle die Kraft der Selbsterlösung. . * * * Nach dieser Darstellung ist es ersichtlich, daß es eine in fruchtbarer Geistesarbeit gereifte Überzeugung, eine von dem riesenhaften Lebenswerk eines Systems der Philosophie getragene Schlußfolgerung und nicht bloß Verehrung der Pietät ist, wenn Hermann Cohen die stolzen Worte ausspricht: Mit dem Begriff der Menschheit und des Menschen ist auch der Begriff des einsigen Gottes das zentrale Problem der Entwicklung des Geistes der Kultur . . . Der Mono- , thoismua des Judentunis ist das unerschütterliche Bollwerk für alle Zukunft der sittlichen

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