Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 15-16 (10.5.1918)
- Article
- Hermann Cohens Philosophie des Judentums
- Date
- 1918-05-10
- Page
- Seite 369 (sequence 12)
- Language
- German
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369 Kultur. Oder wenn "er sagt:.. Das Schicksal Gottes ruht auf den« Schultern Israels. Das Joch Gottes (Malchuth Schamajim) und das Reich dieses Gottesreiches nehmen wir auf uns, .so oft wir in wahrer Andacht „Höre Israel" bekennen. Die Heiligung des göttlichen Namens ist das höchste Ziel unseres Idealismus . . . Das ganze menschliche Dasein kann und soll keinen anderen Sinn haben als den allein, den« das Sittengesetz, den der Aufruf der Thora zur Heiligkeit ihm verleiht; oder wenn Cohen, als Greis an die Jugend, die tiefempfundene- Mahnung richtet: Lasset euch nicht von dem Wahne beirren, als ob ihr einen Partikularismus betriebet, dem keine Aktualität mehr zustünde, indem ihr eure jüdische Religion in ihrer Eigenart festhaltet, und für diesen Fortbestand eure jüdische Nationalitäten unserem deutschen Nationalstaate bewahrt. Aus diesen Worten spricht nicht nur das angestammte Judentum.. Die ganze Wucht eines philosophischen Le h r - gebä u d e s wi rkt in ihnen. . Die religionsphilosophische Bedeutung Hermann Cohens von Dr. B e n z i o n Kellermann, Berlin. ayg^jein Philosoph der neueren Zeit hat mit solcher Scharfe unr* Entschiedenheit die philosophische Begründung der Religion tÜ@Ö abgelehnt wie Heimann Cohen, aber gerade darum hat ihr niemand so wie er. eine solch dauernde und gesicherte Stellung im System der Kultur erworben. Nicht als ob er gleich Kant in bewußtem Gegensatze zu seinen kritischen Werken die Religion als eine Angelegenheit rein individueller Lebensbedürfnisse aus praktischen Erwägungen heraus forderte, sondern dadurch, daß er die Ewigkeitswerte der Religion ihres dogmatischen Gewandes entkleidete und sie für' alle Zeiten dem überindividuellen Bereiche logischer und ethischer Betrachtungen einverleibte. Solche Ewigkeitswerte der Religion, wie sie besonders im Jude?- turne zur Geltung kommen, sind die Ethik und die Gottesidee. Aber diese beiden Begriffe erweisen sich nicht als voneinander unabhängige Gedankengebilde, sondern sie bilden die Glioder einer unauflösbaren Korrelation. Keine Ethik ohne Gott als Ideal und Erfüller der Ethik, und kein Gottesbegriff ohne die Voraussetzung der Ethik als deswesentlichsten Merkmals seines Inhalts. Diese innige Vereinigung bildet für Cohens Philosophie Aus-, gangs- und Zielpunkt aller Reflexionen. Was bedeutet für Cohen der Gottesbegriü? Gott ist ihm nicht der Schöpfer der Welt und der Natur, er würde sonst die sittliche Freiheit des Menschen in Frage stellen; Gott ist ihm auch nicht ausschließlich Ziel der: mensch-, liehen Entwicklung, er würde sonst alle menschliche Kultur zur