Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 15-16 (10.5.1918)
- Article
- Hermann Cohens Philosophie des Judentums
- Date
- 1918-05-10
- Page
- Seite 366 (sequence 9)
- Language
- German
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366 begriff des Mcssianismus erhält seine Prägnanz in dem Begriff der. Ewigkeit. Der echte Begriff dor Ewigkeit ist ein. ethischer Begriff; er bezieht sich auf den sittlichen Willen. Er meint nicht ewige Zeit, sondern ewige Sittlichkeit: ewigen Fortgang der sittlichen Arbeit Die Ewigkeit des Sittlichen ist seine Wirklichkeit. „Das wäre keine Wirklichkeit des Sittlichen, welche den reinen Willen in harmonischen Frieden auflöste und von der Arbeit des Kampfes ablöste. Wirklichkeit des Sittlichen erkennen wir vielmehr gerade in dem Ziele, welches der sittlichen Arbeit gesteckt ist: unendlich zu sein." Das Schmachten der Begierde geht auf Zeitliches. Der ethische Wille hingegen hat die Ewigkeit zum Zielpunkt. Er „entrückt sich dem Endlichen der Zeitlichkeit; er sucht seine Befestigung in dem unendlichen Durchdenken, Durchstreben der Zeit unter dem Leitstern der Ewigkeit . Daher muß in ihm alles Zeitliche ein Spiegel des Ewigen weiden; in Ewiges sich verwandeln.44 Nur das Ende der Tage könnte das Ende des Sittlichen sein. Das will heißen: die sittliche Arbeit kann nur aufhören, wenn die Zeit aufhört. Der ethische Wille ist ewig: so lange es einen Willen geben wird, wird es eine Sittlichkeit geben; so lange die Menschheit leben wird, wird auch die Menschlichkeit in ihr leben. Also bedeutet uns die Ewigkeit der messianischen Zukunft: die Unsterblichkeit des sittlichen Ideals. Mithin ist die Art des sittlichen Seins: Ideal. Das Ideal ist das Bild der Vollkommenheit, hat aber keine adäquate Wirklichkeit. Die sittlichen Werke sind nur Stufen des sittlichen Seins, Stufen auf der Leiter der Vervollkommnung. Sie stellen keineswegs die Wirklichkeit des Sittlichen dar, wohl aber seine Verwirklichung./ Sie dürfen nicht als isoliert betrachtet werden: zu jeder einzelnen Stufe gehört der unendlich ferne Funkt der Vollkommenheit. „Diesen unendlich fernen Punkt bildet die Ewigkeit für jeden endlichen Punkt.44 5. Welches ist das Ideal des Messianismus? Wohl ist der Tag des Herrn, an dem der Messias erscheint, auch ein Tag des Weltgerichts, aber es ist nicht ein Weltenbrand, ein Weltenuntergang. Das Ende der Tage bedeutet nicht das Ende der Menschheit, sondern vielmehr den 'Anfang einer neuen Menschheit. Das Ende der Tage ist das Ende des Krieges unter den Völkern, das Ende der Feindseligkeiten unter den Menschen. Der Krieg aller gegen alle wird aufhören. Die dichterische Phantasie der Propheten arbeitet vorzugsweise;mit den orgreifenden, erschütternden Kriegsbildern. Mit zügelloser Rachelust m?len sie alle Not und Drangsal, alle Greuel und Frevel des Krieges aus, der der alten Welt ein Ende bereiten und eine neue Welt entstehen lassen soll. In dieser neuen Welt werden die Schwerter in Vfinzormesscr umgeschmiedet werden: das Zukunftsbild des Messianismus ist der Weltiriede. Alle Politik soll auf diese Zukunft hinsteuern,