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Neue jüdische Monatshefte · 1918-05-10 · Heft 15-16 (10.5.1918) · p. Seite 365

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 15-16 (10.5.1918)
Article
Hermann Cohens Philosophie des Judentums
Date
1918-05-10
Page
Seite 365 (sequence 8)
Language
German
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ein Werkzeug der Erbsünde, Die Reinheit der Seele kann ihm nicht verlustig gehen. „Mein Gott, die Seele, die du mir gegeben hast, ist rein . . . Und du wirst sie einst von mir nehmen, um sie mir wiederzugeben im künftigen Leben." Die befleckte Seele kann sich mit Gott versöhnen, kann von der Sünde erlöst werden: sie soll nur das Werk ihrer Erlösung rechtschaffen in Angriff nehmen. Jeder Mensch, und wäre er in'Ketten geboren, ist frei, sofern er sich die Aufgabe stellt, frei sein zu sollen; sofern er den Willen zum Freisein hat. Wir sind Kinder Gottes, nicht des Teufels. 5,Es ist daher nicht ein Ausdruck der. Wahrhaftigkeit, die geschichtliche Konsequenz zu ziehen, daß es immer so bleiben werde, wie es immer gewesen ist.'1 Der messianische G o 11 e s b e grif f bedeutet die V c r b ü r g u n g für die Erfüllung des sittlichen Ideals: Gott, Herr der Welt und Verkünder des Guten, ist diese Bürgschaft. Schon der Begriff der göttlichen Vorsehung weist die Tendenz des Messianismus auf. Die Fürsorge schränkt die Freiheit des Menschen nicht ein, sie ermöglicht sie. Der Mensch selbst ist Herr seiner Sittlichkeit; er hat sie zu vollziehen und daher auch zu verantworten. . Gott kann ihm dabei beistehen. Doch das ist ein Ausdruck, der an der Grenze des Populiiren liegt. Genauer ist das Wort des Talmud, daß die Gottesfurcht außerh-v:> der Sphäre der göttlichen Allmacht liegt. Ohne die Willensfreiheit, zu verletzen, beruht der Begriff der göttlichen Fürsorge auf der Annahme eines historischen Gutes. In der geschichtlichen Entwicklung erblickt die sittliche Sorge eine Bestätigung ihrer Forderungen. Diese Entwicklung an sich darf nie als die Entwicklung der Sittlichkeit an gesehen werden; es bleibt immer eine Distanz zwischen dem Sein des Sittlichen und dem Sein der Wirklichkeit; aber sie verringert sich auch immer mehr. Der messianische Begriff der göttlichen Vorsehung, in dem alle echte Theodizee münden muß, lehrt: Das Sittliche verwirklicht sich, ist jedoch keineswegs Wirklichkeit; das Sittliche ist nicht dinglich gegeben, sondern ist und bleibt immer Aufgabe. Das Wirklichwerden der Sittlichkeit wird vom Messianismus als das Endo der Tage bezeichnet. Der M.ythos verlegt die Sittlichkeit rückwärts, klagt um ein verlorenes Paradies. Der Messianismus emanzipiert uns von der Romantik für das Vergangene, richte': unseren Blick auf das Kommende. Die Propheten projizieren das goldene Zeitalter auf die Zukunft. Sie sind von der festen Hoffnung auf den Erfolg der sittlichen Kämpfe, von der edlen Zuversicht auf der. Sieg des Guten erfüllt Den - Griechen war die si 11 - lichell offnung fremd. „Die Propheten sind die Schöpfer einer neuen Art des Denkens, die wir eben in einem strengeren Sinne als Religion bezeichnen. Daher begnügen sie sieh nicht damit zu sagen: so soll es sein. Sie sagen zugleich: so wird es sein." Dieses „So wird es sein", die messianische Zukunft ist nicht ein Abschluß, etwa ein Stillstand in der Zeit. Das Ende der Tage, ist nicht ein Ende, sondern ein Ziel. Der Zukunfts-

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