Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 15-16 (10.5.1918)
- Article
- Hermann Cohens Philosophie des Judentums
- Date
- 1918-05-10
- Page
- Seite 363 (sequence 6)
- Language
- German
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363 Gute istfürden Menschen die Menschheit. Sagten wir*: Gott offenbart sich dem Menschen im Verkünden der Sittlichkeit, so können wir jetzt sagen: Gott offenbart sich den Menschen im Verkünden der Idee der Menschheit. Es ist ein Vorurteil, wenn man den Schwerpunkt des Monotheismus in die Einheit legt; er liegt-im Sein, in der Einzigkei t des Gottesseins, das von allem Natursein unterschieden ist. Die Religion entsteht erst mit dem einzigen Gotte, mit dem Gotte ohne Gleichnis und Bildnis. „Ich-bin hat mich gesandt zu euch." Gott offenbart sich am Dornbusch als das Seiende. Er ist das wahrhafte Sein, das einzige Sein. Diese Stelle, erklärt Kautzsch, macht Moses zum Stifter des israelitischen Monotheismus. „Würde die Religion sich in Philosophie entfalten und ausbreiten, so würde sie danach Koh olet zu ihrem Kanon machen, und die Skepsis, dem Schein die Nichtigkeit über alles angebliche Sein verhängen. Der Monotheismus hat jedoch positive Aufgaben, die ihn von dieser Negative abrufen." Der positive Sinn seiner Einzigkeitslehrc ist die Ausscheidung jedes anderen Seins, das nicht sittliches Sein ist, aus dem Gottesbegriffe. Der Bibel-Babel- Streit ist daher sinnlos. Der Monotheismus h a t sei n schöpferisches Moment nicht im Begriffe der Einheit, der Ung e te i 11 h ei t, im G eg e n s at z zu r V i c 1 - heit der Götter; sondern im Begriffe der Einzigkeit, des n u r - s i 111 i c h e n Sei h s d e s j ü d i s c h ' ■ u Gottes, i m Gegens a t z z u m a u ß e r s i 111 i c h e n S e i n des p an t heistischen Gottes. Der M. y t h o s richtet seinen Blick auf das Verhältnis von Gott und Mensch. Die Propheten lenken den Blick des Mensehen a.uf den Nebenmenschen, auf das Verhältnis zwischen Mensch und Mensch, Dieses spezifische Merkmal, welches die Religion vom Mythos unterscheidet, ist Grundbegriff des jüdischen Monotheismus; er wäre zugrunde gegangen, wenn dieses Motiv, dem er seinen Ursprung verdankt, hätte erschüttert werden können. Der Logos "des Philo, der Gedanke eines Mittlers zwischen Gott und Mensch, bildet daher die größte Ablenkung von der Denkart der Propheten, eine Profanierung des Monotheismus, der Transzendenz Gottes. Es ist die Vorstufe des Christentums. Im Dogma der Trinität und de? Opfertodes können wir zur Genüge die mythologischen Motive in der Bestimmung des christlichen Gottesbegriffes feststellen. Unleugbar aber entblößt sich der Mythos in der Erlösmngslehre, die das Spezifische der christlichen Gotteslehre ist. Christus ist Erlöser. Nicht in der eigenen Kraft seines Willens wird die Erlösung des Menschen gesucht, sondern in einer auswärtigen Quelle. Die Selbständigkeit des Menschen als einer sittlichen Person, seine Willensfreiheit wird damit verdächtigt- Der Proplietismits bildet den schroffsten Gegensatz zum Pantheismus. In diesem Gegensatz erprobt sich sowohl die Transzendenz der prophetischen Gottesidee gegenüber der Natur, als die Immanenz zum Menschen, dem sittlichen Monschau.