Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 15-16 (10.5.1918)
- Article
- Hermann Cohens Philosophie des Judentums
- Date
- 1918-05-10
- Page
- Seite 361 (sequence 4)
- Language
- German
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Da muß sich ein neuer Begriff einstellen, der die Garantie für die •Realität der Sittlichkeit zu leisten hätte. Dieser Begriff ist: d i e (lottesidce der Propheten. 3. Die jüdische Gottesidee besagt nicht die Identität von Natur und •Sittlichkeit, wohl aber ihre Korrelation: Gott, Schöpfer der Natur, ist Urquell des Sittlichen. Freilich ist Natur nicht Sittlichkeit, wio Sittlichkeit nicht Natur ist; aber sie schließen sich gegenseitig nicht aus., Es besteht zwischen ihnen keine unüberbrückbare Kiuft. Die Sittlichkeit ist an der Wirklichkeit teilhaftig. Gott ist der Bürge für die Realität der Sittlichkeit: daß die sittliche Idee kein Wahn ist. Diese Korrelation erhellt auch den Begriff der Wahrheit. Die . Logik hat die Erkenntnis der Wahrheit zu begründen. Wird nicht die Wahrheit erst in der Ethik gesucht und gefunden? Gibt es also zwei Wahrheiten Nein, si^ bilden eine geschlossene Einheit. Die Naturerkenntnis allein erschließt noch nicht die Wahrheit, ebensowenig die sittliche Erkenntnis allein. ' „Wahrheit bedeutet den Zusammen!};■.-yy und den Einklang des theoretischen und des ethischen Problems." Zv ■ sammenhang und Einklang, nicht Identität. Diese Verbindung \v "er Trennung ergibt sich uns schon aus dem Wahrheitsbegriff in eer prophetischen Gottesidee: die Sittlichkeit entbehrt nicht der Natur, cor Wahrheit der Lehre fehlt nicht die Wirklichkeit. „Gott ist wahr und Gott ist die Wahrheit, das sind die tiefen Ausdrücke, mit denen die Propheten den einzigen Gott erdenken. Vielleicht darf man sagen, daß charakteristischer noch als die Einzigkeit die Wahrheit für den Gott der Religion gegenüber den Göttern der Mythologie ist. Der.;.' der wahre Gott ist der Grund der Sittlichkeit, die er .fordert, und deren Forderung schlechterdings sein Wesen ausmacht." Die Propheten erkannten Gott als die Idee des Guten. „Er hat , dir gesagt, o Mensch, was gut ist;' (Micha VT, 18). Gott verkündet die Sittlichkeit. Gott m das, was er verkündet.. Dieses ist der Begriff der Offenbarung, daß sich Gott im Verkünden des Guten dein Mcnsd.ien offenbart, und nur in diesem Verkünden offenbart sich Gott dem Menschen; nur in der Sittlichkeit erkennt der Mensch den wahren Gott. Gott hat den Menschen berufen, um ihm Kunde zu geben — wovon? Vom Guten. Die Sittlichkeit allein ist das Amt Gottes. Qctt erkennen, heißt daher nicht seine Natur erkennen. Wie sagen die Propheten? Gott kennt die Wege des Menschen und die Gedanken des Herzens, aber Gottes Wege und Gottes Gedanken sind nicht des Menschen Wege. „Wolltest du das Geheimnis der Gottheit finden?" Der Prophet befreit sich von den kosmologischen Fragen nach der Natur Gottes und begeistert sich um so mehr für die Verkünöun^. für die Lehre Gottes. „Nicht was Gott ist-, soll Gott mich lehre-:, sondern was der Mensch sei." Nicht Gott allein und an sich ist der llz-yzinhalt des Monotheismus, sondern immer nur in Korrelation zum Men^oeer..