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Neue jüdische Monatshefte · 1918-05-10 · Heft 15-16 (10.5.1918) · p. Seite 351

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 15-16 (10.5.1918)
Article
Hermann Cohen
Date
1918-05-10
Page
Seite 351 (sequence 5)
Language
German
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dieses gedanklichen Geschehens selbst, prüfend und abwägend, wertend und Stellung nehmend* Man konnte in diesem Werturteil, .man konnte oft auch in der Auffassung und Deutung der Quellen selbst von ihm abweichen; — aber das eine blieb immer: daß man hier in die dauernden, großen Motive einen Einblick gewann, von denen die Geschichte der Philosophie beherrscht wird und aus denen sie beständig neue Kraft empfängt. Cohen — das fühlte man — lehrte nicht nur Geschichte der Philosophie, sondern er war ein Teil dieser Geschichte selbst; er stellte ihr Wesen in konkreter lebendiger Verkörperung dar. Was er hier als Lehrer gab, das waren nicht nack-o Daten und Tatsachen, geschweige denn irgendwelche allgem^ne Rubriken und Schlagwort© — man glaubte das Atmen des Geisas selbst zu spüren, aus dem die großen Systeme entstanden und erwachsen sind. Und doch blieb selbst diese Wirkung noch abstrakt, wenn man sie der anderen unvergleichlichen Wirkung verglich, die von. dorn Menschen Hermann Cohen ausging. Hier erst erschloß sich nicht nur das Tiefste,, sondern zugleich das Zarteste, das Intimste und Liebenswürdigste seines Wesens. Wer nicht erfahren hat, wie dieser stets aufs Allgemeine und Allgemeinste gerichteto Geist sich doch zugleich mit unendlicher Wärme und Herzlichkeit ins Persönlichste und Einzelne versenkte — wer nicht wußte, wie dieser strenge und unbeugsame Denker, wenn es sich um die Teilnahme an menschli.e!:::?. Dingen handelte, ganz Milde, ganz Nachsicht und ganz Zartheit wurde, der hat ihn nicht gekannt. Er war, wo es sich darum handelte, seine Sache zu vertreten, von einem unerschütterlichen Glauben, von einem kraftvollen Trotz und einem großartigen Selbstbewußtsein — und doch: wie kindlich bescheiden, wie rührend anspruchslos dankbar nahm er .die geringfügigste menschliehe Teilnahme auf, u-. ihm selbst erwiesen wurde. Sein Gedanke strebte übcralL ins Oro.Be und Größte und rührte an die entferntesten, dem Mensehcngeis*.- ij.. * faßbaren. Probleme — aber wie nur wenige Menschen hat er x - gleich die Liebe und die Andacht zum Kleinen besessen. Sein Wesen war auf den Kampf gestellt, und sein Geschick hat es ror'; sich gebracht, daß er bis zuletzt, daß er fast bis in die letzten Lebr-- stunden hinein den Kampf gegen Beschränktheit und geistige Unfreie-' zu führen hatte; — und doch: welche Fülle von Liebebedür?";■- . r. und Liebefähigkeit, welche Schonung und Nachsicht gegen mensch;•tue Schwächen lag zugleich in diesem leidenschaftlichen Kämpfer. wenn man diese scheinbaren Gegensätze, die doch in Wahrbe:.-., v, abstrakte, nicht menschliche Gegensätze sind, miteinander v<>rc:-' kann man das Bild der Persönlichkeit Hermann Cohens rein wr' klar erfassen. Und daß diese Vereinigung höchster sachlicher m höchster persönlicher Werte nun gelöst sein soll,'das ist es, was? in dieser Abschiedsstunde am tiefsten erschüttert. Sein W<_>rk das wissen wir" — wird bleiben, was es ist; ja es wird sich uns. .'. weiter wir in dasselbe eindringen, immer noch reicher und tiefr. schließen. Aber die Trauer um ihn selbst, um den Menschen, c, <::■

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