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Neue jüdische Monatshefte · 1918-05-10 · Heft 15-16 (10.5.1918) · p. Seite 350

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 15-16 (10.5.1918)
Article
Hermann Cohen
Date
1918-05-10
Page
Seite 350 (sequence 4)
Language
German
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350 einem .völlig unsinnlichen und unbiidiichcn Grunde. Sie stützt sich auf ein rein (Gedachtes, auf ein nur im Gedanken und in . der Inneren Selbsttätigkeit des Willens Erfaßbares: auf das, was er das ISTournenon der Freiheit nennt. Durch alle Teile des kritischen Systems dringt dieser Grundgedanke hindurch.. Und an diesem Punkte setzte nun auch Cohens Bemühung um das Verständnis der Kantischen Lehre ein. Das. Wort „Bestimme, dich aus. dir selbst41, das Schiller als größte und tiefste bezeichnet, das vielleicht jemals von einem Menschen gesprochen worden sei, wurde auch ihm zum Schlüssel der Kantischen Philosophie. Er begriff sie als die große Lehre von der Selbsttätigkeit des Geistes: von der logiscüen, der ethischen, der künstlerischen Spontaneität des Bewußtseins. Und damit war ihm nun zugleich der Weg vorgezeichnet, auf dem or in seinen eigenen systematischen Schriften, in der Logik der reinen Erkenntnis, in der Ethik des reinen Willens und in der Ästhetik des reinen Gefühls über Kant hinauszugehen versuchte. Der Vorrang der Aktivität vor der Passivität, des Selbständig-Geistigen vor dein Sinnlich-Dinglichen sollte rein und vollständig durchgeführt werden/ Jede Berufung auf ein bloß „Gegebenes11 sollte wegfallen: an Stelle aller angeblichen Grundlagen in den Dingen sollten die reinen Grundlegungen des Denkens, des Wollens, des künstlerischen und religiösen Bewußtseins treton. So wurde die Logik Cohens zur Logik des Ursprungs. Das metaphysische und religiöse Denken ersinnt den Begriff der Schöpfung, um .damit, wie Cohen in seinem letzten Eeligionsbuch ausgeführt hat, alles physische und natürliche Sein auf einen letzton geistigen Urgrund zurückzuführen; — das idealistischkritische Denken stellt den Begriff und die Forderung des „Ursprungs" auf, um dadurch alles, was wir Dasein nennen, und was doch nur In schwankender Erscheinung schwebt, in dauernden Gedanken zu befestigen und zu verankern. Das wär die Grundüberzeugung, die Cohen als Denker beseelte, und sie war es auch, die ihn zu dem großen Lehrer machte, der er gewesen ist. Denn nur der ist ein großer Lehrer, der von der, Selbsttätigkeit ausgeht und der auf die Selbsttätigkeit wirkt. Von dem Ehrgeiz und von dem Eigensinn, ein „Originär1 um jeden Preis zu sein, hat sich Cohen immer frei gehalten. In der Vorrede zu „Kants Begründung der Ethik" hat er sich mit scharfen und markigen Worten gegen jedes Philosophieren außerhalb der großen und stetigen geschichtlichen Gesamtarbeit, gegen dieses „Philosophieren auf eigene Faust" gewandt. Aber freilich: welche unmittelbare Frische und Lebendigkeit vermochte er diesen geschichtlichen Zusammenhängen selbst zu geben. Er fühlte sich, stolz-bescheiden, &U ein Glied in der großen Kette der idealistischen Philosophie: in. jener goldenen Kette, die von Piaton über Descartes und Leibniz zu Kant führt. Kraft dieses systematischen Zusammenhanges wurde ihm auch alles Geschichtlich- Ysrsaagene zur vollen unmittelbaren Gegenwart Er erzählte niemals Geschichte der Philosophie, er berichtete nicht von ihr als einem Geschehenen und Abgetanen; sondern er stand mitten in dem Strom

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