Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 15-16 (10.5.1918)
- Article
- Hermann Cohen
- Date
- 1918-05-10
- Page
- Seite 349 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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„Theorie41 und „Praxis", gab es hier keine Trennungslinie; denn die Theorie selbst sollte hier nicht bloße Beschreibung und Darstellung, sie wollte. Gestaltung und Umgestaltung der Wirklichkeit sein. Von diesem Mittelpunkt aus begreift man erst den tiefen innere;:/ Zusammenhang, der zwischen Cohens religiöser und seiner ph:*osophischen Entwicklung, zwischen seinem Gottesbegriff und seiner Wahrheitsbegriff besteht Nirgends ist mir dieser Zusammenhang lebendiger und deutlicher geworden, als da ich vor wenigen Woche-.- den Anfang seines letzten großen religions-philosophischcn Werkes kennen lernte, dessen vollendete Drucklegung er nun nicht mehr erlebt hat. „Die Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentum..:'' hat Cohen dieses Werk genannt. Goothe sagt einmal, der Glaube an den einigen Gott wirke, wo er in der Geschichte auftrete, Imme: geisterhebend, weil er den Menschen auf die Einheit seines eigenca Wesens zurückweise. In diesem Sinne hat auch Cohen den Begrifdes Monotheismus verstanden. Die Gottesidee war ihm das Mit ", um den reinen Begriff des Menschen, um die Idee der sitt,i\v Persönlichkeit zur Entfaltung und Vollendung zu bringen. > * diesen Zusammenhang beruft sich Cohen auf eine Stelle des Xw>\ - Buches Mose, die wohl niemals in solcher Tiefe, wie von ihm e; \d~ funden und gedeutet worden ist. Als Moses, am brennenden J)v-n> buschj vor Gott steht, und als er fragt, weichen Namen Gü 'cer nennen solle, wenn das Volk ihn frage, wie der Gott h. •'• :~ der ihn gesandt habe, da antwortet ihm Gott mit den Wort „Ich werde sein, der ich bin. Sage ihnen, der ,Ich bin' hat HL-:.-h. zu euch gesandt." In dieser letzten und hüchsten Abstraktion des „Ich4*, in dieser ' von allem Dinglichen abgewandten;>f'.is;-r.n^ der Person, in dieser Uberwindung alles Sinnlichen und Bl'uUcho,: durch das reine geistige Prinzip der Persönlichkeit wurzelt die eigf,^.fliche Kraft des Monotheismus und seine weltgeschichtliche Mis-kn. Der Polytheismus vergöttert die Natur in dor Fülle ihrer Kiir/.clgostalten; der Pantheismus spricht die Einheit der Welt a,(s die Einheit Gottes aus: — aber erst der Monotheismus dringt bis in de? Kern des Ich, bis zum Prinzip und Urgrund des menschlichen Selbstbewußtseins vor, um in ihm erst den Sinn und Gehalt des etlichen zu entdecken. Die Propheten entdecken einen neuen Gov:a und einen neuen Weltbegriff, einen neuen Himmel und eine neue I'>^ weil sich ihnen ein neuer Begriff der Menschheit im .individue".en wie im sozialen, im ethischen und religiösen Sinn erschlossen Und von hier führt uns nun sogleich der Weg zu dem weite:, was Cohen auf dem Gebiet der systematischen Philosophie als s -ne Grundüberzeugung bekannte. Kant hat in der Kritik der Uri-s kraft, in der Analytik des Erhabenen einmal gesagt, es gebe ü Alten Testament keine erhabenere Stelle als das Verbot do> Bilderdienstes — als die Weisung: Du sollst dir kein Bildnis machen, v: : :*or von dem, was im Himmel droben, noch von dem, was aux der Er lo unten, noch von dem, was unter der Erde ist. Er fühlte «1\q Erhabenheit dieses Wortes ganz — denn auch seine Lehre ruht ~m