Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Monatshefte · 1918-05-10 · Heft 15-16 (10.5.1918) · p. Seite 345

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 15-16 (10.5.1918)
Article
Die Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums
Date
1918-05-10
Page
Seite 345 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2908689-2908714-2908728-2910890--1664-2910917
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

345 stimmen, daß die Schöpfung kein eigenes Rätsel •bildet, sondern in der Definition Gottes seine Lösung findet. Die Mythologie wird sonach durch die Definition Gottes überwunden. Für die Definition Gottes erhebt sieh nun aber der Gegensatz zwischen Immunen/ und Werden, Indessen hat sieli schon herausgestellt, daß dieser verrrieintliche Widerspruch ausdem Denken herausfällt und in die Mythologie zurückfällt. Nicht dadurch soll das Werden durch das Sein erklärbar werden, daß das Werden vorher in dem Sein enthalten war und alsdann aus ihm herausgeht — diese Auffassung ergäbe keine rein logische Bedingtheit — der Differenz zwischen Sein und Werden wird entsprechend gedacht die zwischen Bejahung und Verneinung. Die Negation muß von Gott abgewehrt werden: damit wird auch das falsche Werden aus dem Sein hinweggenommem Nun soll aber doch das Werden aus dem Sein erklärbar werden. Folglich, muß das Sein eine Bestimmung in sieh aufnehmen, welche es zwar von der Negation unterscheidet, welche dennoch aber dem Gedanken der Negation mit dem Problem des Werdens Genüge leistet. So ist de¬ Begriff der Privation eitstanden. Und so ist er für das Problem der göttlichen Attribute in Verwendung gekommen. . Es konnte nicht etwa die Privation an die Stelle der Negation gesetzt werden, womit nichts geholfen wäre. Die Privation wäre dabei stumpf und leer gebheben. Durch ihre Verbindung mit der Negation konnte ihr aber ein neuer Sinn eingehaucht werden, durch den der eigentliche Sinn erst ans Licht kam. der dieser Gedankenbildung überhaupt das Leben gegeben hatte. Wenn Gott an dem Attribute der Nichtträgheit erkennbar wird, so wird er als Schöpfer erkennbar, so wird die Schöpfung in seinen Begriff aufgenommen. Und das Rätsel <]' Schöpfung wird somit durch die Definition aufgelöst. . Denn dies" Schöpfung bedeutet jetzt vielmehr das Sein Gottes, welches das Sein des Ursprungs ist. Und das Werden hat nunmehr seinen Grund in dem Ursprung dieses Seins. Es kann nicht mehr der Irrtum entstehen, daß das Worden aus dem Sein hervorgehen könnte oder gar müßte, in dem es enthalten war; denn diese bildlichen Vorstellungen werden jetzt als mythologische entlarvt im Lichte der rein logischen Erkenntnis. Es bedarf jetzt auch keines Chaos mehr; dieses ist logisch nur das Unbestimmte, nicht das Unendliche, welches durch die Privation bezeichnet, wird.' Und diese Unendlichkeit bezieht sich hier direkt auf das Endliche und seine Bestimmbarkeit. 12. Der Begriff des Ursprungs für das göttliche Sein erledigt auch das Nichts, welches den logischen Anstoß bildet im Gedanken der Schöpfung. Das hebräische Wort, welches dem Nichts zu entspreche:, scheint, bedeutet keineswegs das Nichts schlechthin, sondern vielmehr das relativ Unendliche der Privation. Dieses aber liegt nicht innerhalb des Werdens, bei der Materie, bei dem Desiderat des Urstoffs, sondern vielmehr nur innerhalb des göttlichen einzigen Seins. Aus diesem Begriffe heraus, aus der Einheit dieser Begriffe des einzigen Seins und des unendlichen, privativen Ursprungs findet das gedankliche Problem der Schöpfung seine vollständige Lösung. Ist Gott das einzig-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.