Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 15-16 (10.5.1918)
- Article
- Die Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums
- Date
- 1918-05-10
- Page
- Seite 346 (sequence 8)
- Language
- German
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346 _ . _ . ...............,............_........________________......._„ Sein, so ist er der Ursprung für das Werden, und in diesem Ursprunghat' es seinen gedanklichen Urgrund gefunden. Der Urgrund der Emanation ist kein gedanklicher, kein logischer Urgrund, sondern vielmehr ein mythologischer, - der um nichts besser ist als das Chaos und das Nichts. Die positive Bestimmung Gottes liegt in denjenigen negativen Attributen, welche nicht die Positivität, sondern die Privation ausschließen. Diese Privation aber muß dem Probleme des einzigen Seins angepaßt werden. Dadurch wird die Beziehung auf das Endljiclie, auf das Werden sichergestellt, und die Privation wird von der Willkür des Unbestimmten befreit. Diese notwendige Beziehung auf das Endliche, auf das Werden verleiht dieser Abwehr den neuen Gedankenwert des Ursprungs. Das Endliche soll im Unendlichen, in der Negation der Privation seinen Ursprung erlangen. Logisch ist .damit das Problem gelöst. Und logisch bildet die Schöpfung kein Rätsel mehr. Nur im Begriffe Gottes könnte es noch gefunden werden, hier aber wird es durch die Einzigkeit gelöst. So ist die Schöpfung die Konsequenz der Einzigkeit. Und man könnte sagen: die Einzigkeit des göttlichen Seins vollzieht sieh in^ler Schöpfung. Die Negation der Privation hätte ihr Ziel verfehlt, wenn sieh dieses nicht auf das Endliche bezöge, das seinen Ursprung fordert, in sich selbst aber nicht finden kann. Das Rätsel bleibt demzufolge nicht eigentlich bei Gott bestehen, sondern vielmehr bei der Natur und ihrem Werden. Dieses kann seinen Grund nur im Sein haben. So hat Parmenides die Losung ausgerufen. Aber er ist nicht bei Xenophanes stehengeblieben, so daß er die Einheit von Gott und Welt angenommen hätte. Dies wäre die Einheit von Sein und Werden. Und diese falsche Einheit hat er bei Heraklit bekämpft. Der Pantheismus wiederholt' nur den Fehler, den Parmenides mit so großer Schärfe und so großer Fruchtbarst-für die Philosophie und die Wissenschaft ans Licht gestellt hat. Die Schöpfung'ist notwendig, damit nicht das Vorurteil vom Sein, als Werden, bestehen bleibe, in welchem' der Pantheismus seine logische Wurzel hat. Die Schöpfung ist das Urattribut Gottes; siex ist nicht nur die Konsequenz von der Einzigkeit des göttlichen Seins,.sie ist schlechthin mit. ihr identisch. Wäre der einzige Gott nicht der Schöpfer, so wäre Sein und Werden dasselbe: so wäre die Natur selbst der Gott. Dies aber würde bedeuten: Gott sei nicht. Denn die Natur ist das Werden, dem das Sein zugrunde gelegt werden muß. Das Sein ist eine eigene Grundlegung, die' nicht im Werden enthalten, die vielmehr erst dem Werden zugrunde gelegt werden muß. Die Philosophie, wie die Wissenschaft, widerspricht, dem Gedanken von der Einheit des Seins mit dem AVerden. Der Pantheismus ist daher ein logischer Widerspruch auch für das wissenschaftliche Problem von Sein und Werden. Und doch ist dieser Widerspruch nur das Vorspiel zu dem hauptsächlichen Auteil der Vernunft an der Religion, zu vdeni hauptsächlichen Anteil der Vernunft über die Probleme der Ethik.