Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 15-16 (10.5.1918)
- Article
- Die Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums
- Date
- 1918-05-10
- Page
- Seite 342 (sequence 4)
- Language
- German
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342 die negÄtivea,Attribute verneint werden; das hätte'keine zulängliche..- Bedeutung. Und es wäre auch ein falsches Beginnen. Denn hat man überhaupt schon positive Bestimmungen? Dies ist ja erst die Frage. Und zur Beantwortung dieser Frage tritt das Problem der negativen Attribute seinen Defmitionsweg an. Da es aber eben noch keine, positiven Bestimmungen gibt, können sie auch nicht negiert werden, während es ja gerade gilt, das Sein Gottes in seiner einzigen Art, aber durchaus gerade für die vermeintlichen anderen Arten zu verwerten. Was kann aber negiert werden, wenn dies die positiven Bestimmungen noch nicht sein konnten?. .7. Aus den ältesten Zeiten der griechischen Spekulation stammt ein Begriff und eine Urteilsart, welche schier ein Rätsel bilden würden, wenn der Sinn dieses Begriffs, wie er sich in seiner wissenschaftlichen Behandlung enthüllt, die Losung des Rätsels nicht allmählich immer deutlicher zur Klarheit brächte. Es scheint nur ein Spiel des Witzes zu sein, den die Advokatenkniffe und die Volksredner in Griechenland ertüftelten und die den Sophisten zum Vorbild dienten und zum Vorwand für ihren Mutwillen und ihre Abenteuer mit der Willkür des Denkens, was als Zwischcnbegriff zwischen Bejahung'und Verneinung ^gesetzt wurde: die Frivation (/"/). Die griechische Sprache hat auch für den Verkehr schon eine solcheder Negation verwandte, scheinbar ihr ganz zugehörige Partikel in lebendigem Gebrauche gehabt. Es ist unsere Ansicht, daß schon bei Demokrit und besonders hei Piaton dieser Partikel und diesem Begriffe eine Bedeutung zugedacht wurde, welche durchaus verschieden ist von der Negation: welche sogar über die Bedeutung der Position hinausragt, insofern sie der Bejahung erst ihren Grund .verleihen will. So wurde später der durch diese Partikel ursprünglich gebildete Begriff nebst seinem entsprechenden Urteil zwar unter Alischleifung der rechtmäßigen Partikel für die Negation und der falschen, irreführenden Gleichsetzung der eigentlichen Negationspartikcl mit der neuen, eigentümlichen, dennoch aber trotz ääller Verdunkelung durch die lateinische, Partikel Non, welche nichts mehr von der antiken Unterscheidung "enthält, trotz alledem der gleichsam providentiello Sinn der Unterscheidung und der Abwehr nicht gänzlich verlöscht und vernichtet, , . — ' '•• 8. Es hat dabei günstig'der Umstand mitgewirkt, daß ein besonderer Begriff zu diesen Negationsbegriffen hinzugetreten ist in dem Begriffe des . Unendlichen. Die Unterscheidung des Unendlichen von der Negation hat das Problem nicht gänzlich zum Verschwinden gebracht: daß in der angeblichen Negation, vielmehr in dem Unendlichen allem Sein nach seinen Jedesmaligen Beziehungen der .eigentliche Seins- ,'grund erst gelegt werden* solle, so daß nicht nur die Negation abgewehrt werden,'sondern auch die Position überboten lind begründet werden mußte. .Die Privation wurde zum unendlichen Urteil. Maimonides war der echte Philosoph des Monotheismus nicht -nur •in seinem jüdischen Universalismus, sondern in seiner philosophischen Höhe, die sich besonders darin erhob, daß er das-Problem der Schöpfung