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Neue jüdische Monatshefte · 1918-05-10 · Heft 15-16 (10.5.1918) · p. Seite 340

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 15-16 (10.5.1918)
Article
Die Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums
Date
1918-05-10
Page
Seite 340 (sequence 2)
Language
German
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340 Auch für Gott kann der Anteil der Vernunft an der Religion nicht darin bestehen, daß allein für ihn das Sein .vorbehaltenbliebe: was wäre1 der Gott, der mir ein negatives Verhältnis zur Welt hätte? Der Pantheismus kann nicht dadurch vereitelt werden, daß die- Welt, daß das Sein der Welt in jedem Sinne nur verneint wird. Die Einzigkeit des göttlichen 'Seins erlangt ihren positiven Wert erst aus der Bestimmung und der Beschränkung des Seins für. die. Welt; sonst bliebe die Einzigkeit nur eine negative Bestimmung. Es liegt in der Einzigkeit aber eine immanente Beziehung auf die Welt, von deren' «Sein das göttliche Sein \ilurch die Einzigkeit unterschieden wird. v 2. Von welcher Art kann denn nun aber das Sein der Welt sein, wenn es nicht das wahrhafte Sein ist? Auf diese Frage erteilt, der philosophische Begriff des Seins die orientierende Antwort. Das Sein wird erdacht für das Problem des Werdens. Es wird somit gar nicht um eigentlich seiner selbst willen erdacht, sondern nur wegen des Werdens. Wenn am Kosmos der Begriff des Seins entsteht, so entsteht er eben am. Problem des Werdens; denn der. Kosmos stellt ein ewiges Werden dar. Bevor die griechische Spekulation zum Gedanken des Seins kam, war. sie nach allen Seiten von dem Problem des Werdens ergriffen, und in allem Wechsel des Werdens suchte sie die Orientierung über die Mannigfaltigkeit des Kosmos. Der Wechsel und das Werden mußten voraufgehen, ehe die Einheit und das Sein erdacht werden konnte. 3. Der Grundbegriff der Substanz durchmißt alle Stadien der Philosophie, wie der Wissenschaft. Und gemäß der Höhe und Keifeweiche Leibniz durch sein- Prinzip der lebendigen Kraft erreicht hat. konnte Kant mit aller Scholastik des Substanzbegriffs brechen und ihn zur Voraussetzung der Relationsbegriffe machen. Durch diese Stellung'- welche Kant der Substanz gab, als Vorbedingung für die Kausalität und die Wechselwirkung, wird der Substanz gleichsam ihre absolute Selbständigkeit entrissen. Nur als „Vorbedingung** für die Kausalität hat sie Absolutheit, als Kategorie. . Diese Absolutheit beruht daher nicht in ihr selbst, beschränkt sich nicht auf sie selbst-, sondern sie vollzieht sich erst dadurch, daß sio die Kausalität möglich macht, die mithin ohne sie ihr Werk nicht beginnen könnte. So steht es mit der Substanz in der Naturerkenntnis. Sie ist das Sein, als die Voraussetzung-für das Werden, für das Geschehen nach dem Grundgesetze der Kausalität: sie ist das Sein für die Bewegung. Denn die Bewegung ist das Werden auf Grund der Kausalität. Und das Sein der Substanz bedeutet sonach die Vorbedingung für die Kausalität der Bewegung, , 4. Was die Vernunft, als Philosophie, in der Wissenschaft zustande und zur Klarheit der Erkenntins bringt, das muß sein Analogon haben in dem Anteil der Vernunft an der Religion.. Das göttliche Sein wäre nicht eine Bestimmung der Vernunft, wenn nicht auch dieselbe gedankliche Beziehung auf das Werden der Dinge, in-der Natur- \u\-.\ - Menschenwdt für das göttliche Sein bestände. Und diese immanen

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