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Neue jüdische Monatshefte · 1918-04-25 · Heft 14 (25.4.1918) · p. Seite 336

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 14 (25.4.1918)
Article
Der Sinn der "Vergeistigung"
Date
1918-04-25
Page
Seite 336 (sequence 6)
Language
German
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336 Nie hat jüdischer Geist zugestanden, daß die Welt anders bejaht werden dürfe ah im Namen des Geistes. Nie hat' jüdisches Ethos zugegeben, daß dem Geist anders gedient werden darf, als um ihn in der Welt zu verwirklichen. Die Scheidung zwischen Geist und Welt, der Zerfall beider, das ist der ewige Todfeind des Judentums in der Welt. Die Diktatur des Geistes hinter Klostermauern zu realisieren, war dem Judentum stets ebensolcher Greuel wie der Versuch, die Wirklichkeit dieser Diktatur zu entziehen. „Ihr sollt sein ein heilig Volk und ein Reich von Priestern4*, dies ist der zentrale Imperativ der Bibel; und als das Ziel der Geschichte haben Israels Propheten das Postulat verkündet: . „Und die ganze Welt wird erfüllt sein von der Erkenntnis Gottes", von der Erkenntnis, die im Judentum stets verwirklichte Erkenntnis ist. Spottet M. der weltfremden Ideologen und dekretiert er: „eine Menschengemeinschaft zu bilden, die.vmehr als ein halbes Dutzend Propheten einbezieht1*, sei auf Grund' der geistigen Forderungen nicht möglich, so scheue er sich auch nicht, der Männer der Bibel und der Propheten zu spotten, die vom gesamten Volk gefordert haben, ein heiliges Volk von Priestern zu sein. Verwirft er die Forderung einer Vergeistigung der Macht und der Ablehnung der brutalen Gewalt, so scheue er sich auch nicht, den Gott Israels zu verwerfen, der verkündet hat: „Nicht im Sturm ist Gott und nicht im Feuer, sondern' in der leisen Stille.*' Verneint er grundsätzlich den Weg der „Vergeistigung" und behauptet, nur sein Weg der „Verweltlichung*' führe nach Zion, so müßte er konsequenterweise das innerste Wesen unseres Volkes verneinen, das sich stets als „Volk des Geistes" bezeichnet hat, stolz und bewußt bezeichnet hat, und dennoch, nein eben darum als „Am olam", als „ewiges Volk". Fast scheint es, als ob ihm ein inneres Gefühl gesagt habe, daß sein Weg nicht der sei, der der Wesensart des Judentums entspricht. Stellt er doch die Antithese „Jaffa—Jerusalem" auf und entscheidet sich für Jaffa, Es sei mit aller Entschiedenheit darauf hingewiesen, daß er diese Antithese aufstellt, die „Vergeistigung" jedoch sie niemals aufgestellt hat und ihre Berechtigung nicht anerkennt. Sie will Jaffa und Jerusalem, will das weltliche Palästina und das geistige Zion. Gesetzt aber, seine Antithese bestünde zu recht, wird er guten Gewissens behaupten wollen, seine Entscheidung sei diejenige des immanenten Geistes des jüdischen Volkes? Was war dem nationalen und moralischen Bewußtsein des jüdischen Volkes seit jeher bis zum heutigen Tage Jaffa? nichts; was war ihm Jerusalem? alles. Und vergesse er doch eins nicht: Unsere Bewegung heißt Zionismus, knüpft an Zion an, an Jerusalem, das Zion werden soll, was Jaffa wohl nie werden will und wird. Was M. will, was ein großer Teil unserer Bewegung noch heute will, ist Palästinismus, nicht Zionismus: Palästina als Land unter Ländern, das palästinensische jüdische Volk als Volk unter Völkern, gewiß ein Großes, aber nicht das Größte und gewiß nicht das wahrhaft Jüdische. Zion war und ist stets mehr als Palästina: ist Palästina als irdische Stätte, in der jene Ideale und Forderungen verwirklicht werden sollen, die den Wesensgehalt der Zionsidee aus-

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