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Neue jüdische Monatshefte · 1918-04-25 · Heft 14 (25.4.1918) · p. Seite 335

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 14 (25.4.1918)
Article
Der Sinn der "Vergeistigung"
Date
1918-04-25
Page
Seite 335 (sequence 5)
Language
German
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335 Talmud zu zitieren, der die notwendige Ergänzung jenes einen bildet und ihm erst seinen positiven Sinn gibt. „Wenn dich der böse Trieb erfaßt14, sagt der Talmud, '„dann schleppte |ihn ins ,Beth-hamidrGsch' (Gebothaus)". Die Triebe nicht einsperren, aber sie ins Bcth-hasaidrasch schleppen, die Kraft und Leidenschaft, die in ihnen lebt, in den Dienst guter Zwecke stellen, den bösen Trieben die gute Richtung' verleihen, sie nicht töten, aber heiligen. Dies wollen wir. Die Mittel dieser Welt benutzen, um die Zwecke des Geistes zu realisieren; die Politik bejahen, um sie zu vergeistigen; die Machtide« anerkennen, um sie zu reinigen; die Welt lieben, glühend und über alles lieben, um sSe zu heiligen. Die Weltlichen dagegen kennen nur ein schlimmes Entweder — Oder: die bösen Triebe einsperren oder sie in ihrer schlechten Richtung toben lassen; passiv zu der Welt, wie sie ist, Ja und Amen sagen, oder hinter Klostermauern ihr entfliehen. Sie scheiden Verweltlichung und Vergeistigung; beides gleich schlimme Wege: Welt ohne Geist und Geist ohne Welt. Wir glauben an die Synthese: an den Geist in der Welt, an die Welt, die den Geist realisiert; wir glauben an die bösen Triebe in Beth-hamidrasch. Damit stehe ich bei dem letzten und für unser Problem wichtigsten Punkte: bei der Frage nach der jüdischen Beurteilung und Bewertung beider Tendenzen. Daß sie in ihren letzten menschlichen Motiven auseinandergehen, ist wohl nach den vorstehenden Wörter, die nicht polemisieren, sondern die trennenden Momento beider Richtungen aufweisen wollen, klar geworden. Bleibt eine letzte, die entscheidende Frage: Welche Richtung ist die jüdischere, genauer gesagt, welche die wahrhaft jüdische? Denn Zionismus ist eine jüdische Bewegung, die zentrale Bewegung des jüdischen Volkes, und mit Recht dürfte man Tendenzen wie die oben skizzierten innerhalb des Zionismus verwerfen, könnte gezeigt werden, daß sie unjüdisch sind. Will doch der Zionismus die Bewegung sein, die die innere Kontinuität der jüdischen Geschichte fortsetzt und das jüdische Volk dein eigentliche Sinne seines Daseins wieder zuführt. Dies ist. nun das Wichtigste, wa? hier gesagt werden muß, und was der Vergeistigung innerhalb des Zionismus die stärkste Legitimation ihrer Forderungen ist: " daß s-> glaubt, sie nicht nur im Namen allgemein menschlicher Imperative, nicht nur im Namen des „Geistes14, sondern Im Namen des Judentums zu stellen. Sinn und Bestimmung des Judentums scheint es mir zu sein, diese Verweltlichung des Geistes so stark und wuchtig wie kaum eine andere große Kulturrichtung der Geschichte proklamiert zu haben. Gott in der Welt zu verwirklichen, das Ist die tragende Idee der Bibel, das ist ßse Quelle des Pathos der Propheten, das ist das unvergängliche Motiv der gesamten jüdischen Geistesgeschichte von Jakob, der mit dem Engel rang und ihn zwang, ihn auf Erden zu segnen, bis zu unseren Tagen: bis zum Zionismus.

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