Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 14 (25.4.1918)
- Article
- Der Sinn der "Vergeistigung"
- Date
- 1918-04-25
- Page
- Seite 333 (sequence 3)
- Language
- German
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333 als solches verneinen? In seinem Recht und Sinn als Aufgabe und Kunst des Geistes, die Beziehung zwischen den Völkern und Staaten der Erde zu regeln, umfassender gesagt: die Verteilung der Erde unter die Menschen vorzunehmen und immer neu zu regeln. Kennt M. nur jene schlechte Form der Bejahung, die das Bejahto mit allen Mängeln und Fehlern kritiklos hinnimmt, und sieht er nicht vielmehr den Sinn einer bejahenden Beziehung in der Verpflichtung, das Bejahte zur Erfüllung seiner besten Möglichkeit zu bringen? Noch tiefgehender wird diese falsche Auffassung der Vergeistigung durch M. in seiner Darstellung ihrer Stellungnahme zum Machtbegriff. „Buber", behauptet er, „erklärt, •im Judentum den Gegensatz zum Begriff Macht überhaupt zu sehen". Ich wüßte nicht, wo Buber dies in seinen Schriften oder Reden je getan hätte; Ich wüßte nicht, wie er es konsequenterweise je hiltte tun können. Wie könnte einer, der unermüdlich und eindringlich wie Buber den Sinn des Geistes als in der Aufgabe seiner Verwirklichung bestehend proklamiert, die Machtideo ablehnen, ohne die Geist nie Wirklichkeit werden kann? *) Macht, dies bedeutet doch wohl die Fähigkeit, das Gewollte zu „vermögen'*, die Kraft, das Proklamierte in Wirklichkeit umzusetzen, die Kunst, die Realität dahin zu bringen, sich den ihr gestellten Geboten zu fügen. M. selbst zitiert Bubers Wort von der „Diktatur des schöpferischen Geistes'1, zitiert es und sieht nicht, daß es wohl keine radikalere Anerkennung und Bejahung der Machtidee geben kann als durch d;r.s -Postulat einer solchen „Diktatur". Auch hier versteht er scheinbar nicht, wie man etwas gliiubig bejahen kann, ohne all seine realen zeitlichen Ausdrucksformen zu billigen. Die Machtidee äußert sich heute in ihrer häufigsten Erscheinung in der schlechten und schädlichen Form der Gewalt. Diese Form lehnt Buber, leimt die „Vergeistigungu allerdings ab; damit aber noch keinesfalls die Machtidee überhaupt, die wir wollen und bejahen, so sehr, daß wir an die Überwindung ihrer heutigen verderbten und sinnverfälschenden Manifestationsform durch das Medium der Gewalt glauben, und an deren Ersetzung durch die reinero Form ihrer Verwirklichung, durch das Medium innerer Werte und Qualitäten, wahrhafter Macht. . Und nun die letzte, stärkste Verkennung. „Den Vergeistigten,1' sagt er, „wird das geistige Zentrum zu einem Ziel, das man ohne Politik und ohne die Mittel dieser W.elt verwirklichen kann, wenn man zum Beispiel Palästina nur noch als Geistiges, fast schon als Symbol gelten läßt und auf ein konkretes Palästina ganz verzichtet/4 Jedes Wort in diesem Satz enthält eine Verzerrung der wirklichen Tendenzen der Vergeistigung. Zunächst das „geistige Zentrum44, — die Vergeistigung will kein „geistiges Zentrum44, sie ist kein Achad- Baamismus, weil Achad Haam zu wenig Jünger und Gläubiger des Geistes ist, weil er, dem John Stuart Mill und Herbert Spencer d:o x) Über die Bedeutung des Machtraktors für den Zionismus vgl. u. a. Bubers Aufsatz: „Zionistische Politik14 in seinem Buche: „Die jüdische Bewegung", Seite 116 ff.