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Neue jüdische Monatshefte · 1918-04-25 · Heft 14 (25.4.1918) · p. Seite 329

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 14 (25.4.1918)
Article
Der Jude in Karl Marx
Date
1918-04-25
Page
Seite 329 (sequence 3)
Language
German
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329 trefflichkcit ins Licht zu setzen. Marx weigerte sich also, das „Geheimnis des Juden" in seiner Religion zu finden, daa Geheimnis der Religion 'enlhtillto sich ihm umgekehrt im „wirklichen Juden". Dieweii ihm aber der „wirkliche Jude", wie wir schon sahen, mit dem „Schacherjuden" identisch ist, so folgert er: „Das Geld ist der eifrige Gott Israels, vor welchem kein anderer Gott bestehen darf... Die chimärische Nationalität des Juden ist die Nationalität des Kaufmanns, überhaupt de^s Geldmenschen." Weil der Sozialist Marx das Gattungswesen im Menschen erlösen will, sieht er im Schacher „den höchsten praktischen Ausdruck der menschlichen Solbstentfremdung". Im Judentum aber erblickt er schlechthin das Symbol des Schachers. So schüttet er das Kind mit dem Bade aus und gelangt zur Verwerfung des Judentums. Die Emanzipation des Juden, sagt er, sei die Emanzipation der Menschheit vom Judentum. Wie arm an geschichtlichem Verständnis und psychologischer Einsicht erscheint doch die bloße Antithese „wirklicher Jude" und „Sabbatjude", über die Marx, da das stoffliche Interesse ihm fehlt, nicht hinausgelangt, neben der tiefsinnigen Synthese, in die sich bei Heine in der Prinzessin Sabbat der Widerspruch zwisebeu dem Schacherjuden und dem Sabbatjuden auflöst! Ungerechter mnl einseitiger als Marx hat kein Fremdblütiger jemals über das Judentum abgeurteilt. Die jüdische Nationalität ist ihm eine Chimäre, die Religion erblickt er in einem Hohlspiegel; was er berücksichtigt, ist nur die zeitliche, durch besondere Ursachen bedingte, also schnellem Wechsel unterworfene ökonomische und soziale Erscheinungsform eine; noch aus weit tieferen Wurzeln erwachsenen geschichtlichen Organismus. Und selbst auf ökonomischem und sozialem Gebiet nimmt er einen Teil für das Ganze; nur so gelangt er zu der karikaturalcn Auffassung, die wir bei ihm kennen lernten. Marx verkannte, daß ein Lebewesen wie das Judentum, bei dem man nach Jahrtausenden zählt, selbst dann noch nicht tot gewesen wäre, wenn es, gesunder Entfaltungsmöglichkeiten beraubt, ein p:v;ir Jahrhunderte hindurch sein tiefstes Wort verschwiegen oder nur mit entstellter, heiserer Stimme ausgesprochen haben würde. Das verkannte Marx, obgleich gerade in ihm, ihm selbst freilich unbewußt, jene Urkraft des Judentums, die diesem seinen hohen Rang in der Geschichte der Menschheit sichert, zu neuen Zielen ungestüm sich emporreckte. Oder entstammte die unheimliche Flamme, die Tat und Gedanken bei ihm in Bewegung setzte, etwa nicht der vulkanischen Tief'» der gleichen uralten Erdschicht, die früheren Jahrtausenden neun religiöse und soziale Werte zugeschleudert hatte? Alle, die Marx bekämpfte — und wen bekämpfte er nicht? — schalten den verb-j-irte;.: Fanatismus, mit dem dieser einzelne Mann, unbekümmert dann*, -aß fast noch niemand auf ihn hören wollte, sich zu einem einzige:, Gedanken bekannte und über seine unbegreifliche Besessenheit, der der Sieghaftigkeit dieses einzigen Gedankens niemals, auch nicht nach der Niederlage, ein Zweifel kam. Wo anders hat solche starre Gläufcffkeifc, die den Zeitgenossen lächerlich, der Nachwelt erhaben vorkommt, ihre Vorbilder als bei den Propheten Israels und Judas?

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