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Neue jüdische Monatshefte · 1918-04-25 · Heft 14 (25.4.1918) · p. Seite 326

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 14 (25.4.1918)
Article
Die Litwaki
Date
1918-04-25
Page
Seite 326 (sequence 8)
Language
German
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326 daß ciy soviel er nur kann, bei seinen Büchern steckt, aber es muß von ihm hinzugefügt werden, daß er hierdurch sich dem Erwerb nicht abwendig machen läßt, sondern zumeist ein fleißiger. Handwerker ist, worauf sofort noch zurückzukommen ist. In neuerer Zeit kommt allerdings für die finanziell besser gestellte Schicht der polnischen Judenschaft hinzu, daß die Töchter keine andere Bildungsmöglichkeit haben als die polnische Schule und daß diese bald an irgendeinen jüdischen Geschäftsmann verheiratete Frau ihre größere Gewandtheit in der polnischen Sprache für den Verkehr mit Kunden, namentlich im Detailgeschäft, verwerten muß. Seltsam müßte es erscheinen, wenn zu dieser Verschiedenwerdung nicht auch wir tschaft liehe Gründe beigetragen haben sollten. Unmittelbar vor dem Kriege bot die starke Industrialisierung Polens, der doch ein wesentlich schwächeres Maß in Litauen gegenüberstand, genügend Anlaß, einen solchen Zusammenhang materialistischer Natur anzunehmen. Allein es wird sich wohl schwerlich gerade diese Richtung der Kausalität exakt beweisen lassen, daß etwa jene Industrialisierung, die psychologische Verschiedenheit der beiden Teile der Ostjuden gefördert habe, und es gibt jedenfalls auch Anhaltspunkte dafür, daß der Zusammenhang eher umgekehrt zu suchen ist. Leider liegen nur unzulängliche statistische Materialien vor, um einen solchen Beweis zu führen. Der von der Jewish Colonization Association herausgegebene „Recueil de materiaux stir la Situation eeonomique des Israeliten de Russie" liefert aber immerhin genügend Material für den Nachweis, daß die Handwerkertätigkeit in den . 90 er Jahren in Litauen doch merklich größere Bedeutung für die dortige Judenschaft hatte, als dies in Polen der Fall war. Nach den „Annalen" des Gouvernements Grodno waren 1897 unter den Handwerksmeistern dieses Gouvernements gezählt: 16 620 Christen, 26 515 Juden, 106 Muselmanen. Es waren also 61,32 v. H. aller Handwerksmeister Juden, obgleich unter der rund VA Million zählenden Gesamtbevölkerung nur 281303 Juden, also nur 19 v. H. gezählt wurden. Leider stehen genau korrespondierende Ziffern für Polen nicht zur Verfügung. Aber nach derselben Statistik des Recueil der ICA stellt sich der Anteil der kleinen Handwerker an der jüdischen Gesamtbevölkerung Polens nur auf 10,8, darunter in Warschau sogar nur 7,5, während die entsprechenden Ziffern für die drei litauischen Gouvernements sind: Kowno 11,8, Wilna 13,6, Grodno 18,5 v. H. Man wird kaum fehlgehen, wenn man annimmt, daß bis in die 90 er Jahre die Judenschaft in Polen mehr als in Litauen so ganz überwiegend im Handel sich ihren Erwerb suchte. Nur mit größer Vorsicht möchte ich auch die Meinung verzeichnen, daß es für das Großstadtjudentum Polens typischer als für das übrige Ostjudentum sei, daß seine Massen so weitgehend proletarisiert sind. Wenn es richtig ist, daß die Klassengegensätze hier schärfer als anderswo innerhalb des Judentums zur Entwicklung gekommen sind, so wäre auch dafür die Erklärung durchaus nicht von der Hand zu weisen, daß eine der Wurzein dieser Entwicklung in der völkischen Eigenart des polnischen Judentums zu suchen sein mag, und es würde

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