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Neue jüdische Monatshefte · 1918-04-25 · Heft 14 (25.4.1918) · p. Seite 325

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 14 (25.4.1918)
Article
Die Litwaki
Date
1918-04-25
Page
Seite 325 (sequence 7)
Language
German
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zu tun hat, nur ist sie auch in der breiten Masse, wie gesagt, hier eine gelernte, dort eine ungelefnte. Erst in den letzten Jahren geginnt eine junge Generation unter den polnischen Juden gleichfalls wissenschaftlich-literarisch in nennenswertem Umfange im Geiste der Tradition des talmudischen Judentums tätig zu werden. Fast möchte man — so falsch das auch historisch und ethnologisch wäre — versucht sein, von zwei Volksstämmen zu reden, denn diese Verschiedenheit, dieses Sichauseinanderentwickeln ist begreiflicherweise mich an dem privaten Leben nicht spurlos vorübergegangen. Leute, die die Eigenart des litauischen und polnischen Judentums kennen, versichern, daß die Verschiedenartigkeit in der Stellung der F r a u bei beiden Volksteilen etwas von der völkerpsychologischen Verschiedenheit spiegelt In Polen ist das Eingreifen der jüdischen Frau in das Geschäftsleben viel allgemeiner verbreitet als in Litauen, Es wird im Vcrkchrsleben deutlich wahrnehmbar, was Horodezky schon als kennzeichnend für das Gemeinschaftsleben der Chassidim erklärte, daß diese Religionsrichtung im Gegensatz zum Rabbinismus die Frau emanzipiert habe. Es hat den Anschein, als würde das starke Gemeinschaftsgefühl, das durch den Chassidismus im Rahmen eines bestimmten Rebbeanhanges großgezogen wird, eben durch diesen auch konsumiert, und es scheine, als wurde infolgedessen die weitgehende Bindung des Individuums durch den Rebbeismus nur auf Kosten der Kraft des Gemeinschaftsgefühls für den natürlichen Verband der Familie erreicht werden könnten 4). Soziologisch wäre das wohl sehr erklärlich, Und deshalb bedarf es wohl kaum jener anderen Erklärung, die man so oft hört, daß das starke Eingreifen der Frau in das Erwerbsleben mit der Inanspruchnahme des Mannes durch das religiöse Leben zu deuten sei. Denn daß diese Erklärung eine Verschiedenheit zwischen polnischem und litauischem Leben zu begründen vermag, ist jedenfalls nicht allgemein zuzugeben. Wohl bringt der männliche polnische Jude so viele Stunden des Tages im Bet-Hamidrasch oder beim Robbe zu, wirklieh lungernd, ohne irgendeine Arbeit zu leisten, aber auch, ohne sich wirklich während der ganzen Zeit eigentlich religiöß zu betätigen. Vom litauischen Juden dagegen gilt jedenfalls, daß er woM auch immer „lernt",— daß er sich also wirklich religiös beschäftig?., *) Auf die Bedeutung und Wirkung des chassidisehen Gemeinschaftslebens läßt sich auch aus anderen Erscheinungen schließen. Körner der Verhältnisse berichten übereinstimmend die so häufige Beobachtung, daß der Chassid, sobald er in eine andere Umgebung, und damit aus dem "Wirkungsbereich seines Rehbc-Kreises herauskommt und religiös isoliert lebt, dem Chassidismus verloren geht. Es ist der Geist von Brüderscha"tsgemeinden, die, wenn sie auch nicht kommunistisch leben, doch eine d<n ganzen Menschen in Anspruch nehmende Bindung darstellen, und es bt nicht nur die Beeinträchtigung der Familiengemcinschaft damit zu erklären, sondern in derselben Richtung wird sich auch die Erklärung der refcV.ich feststellbaren Tatsache bewegen müssen, daß das allgemeine jüdische. Solldariüitsgefühl bei den Chassidim gelitten habe.

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