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Neue jüdische Monatshefte · 1918-04-25 · Heft 14 (25.4.1918) · p. Seite 327

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 14 (25.4.1918)
Article
Die Litwaki
Date
1918-04-25
Page
Seite 327 (sequence 9)
Language
German
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32V durchaus nicht gegen diesen Zusammenhang sprechen, daß unter den litauischen jüdischen Arbeitern früher und energischer als in Polen sozialistische Ideen Bo#en gewonnen haben. Es entspräche das ja nur dem Überwiegen des Rationalismus. Gewiß richtig ist es aber, daß die überlegene geistige Regsamkeit unter den russischen Juden zu einer allgemeineren Anteilnahme an politischen Problemen geführt hat. Nicht nur die großen Massen der Chassidim, der sozial mittleren Berufsstände, auch die proletarischen Blassen des polnischen. Judentums sind bei Ausbruch des Krieges noch überwiegend gleichgültig, ja geradezu unreif und natürlich auch undiszipliniert gewesen, und das macht sich auch zurzeit noch geltend, den Jude?/ sehr zum Nachteil, wie z. B. bei den Gemeindewahlen, die 1916 nnd 1917 unter der deutschen Verwaltung in Polen stattgefunden haben. (Schluß folgt,) Der Jude in Karl Marx. Von Dr. Gustav Mayer, Zehlendorf. ST^S arl Marx entstammte von väterlicher wie von mütterlicher Seite slfP^t alten Rabbinergeschlechtern. Der Großvater väterlicherseits älfbiS Mordechai oder Marx aus dem Stamme Lovi war Rabbiner in Trier gewesen. Später bekleidete dort sein ältester Sohn Samuel die gleiche Würde. Dessen Sohn M.oses wurde Rabbiner in Gleiwitz. So tre.-: dieser ältere Zweig der Familie dem Glauben der Väter anhing, so völligwandte ein jüngerer sich von diesem Glauben ab. Der zweite Sohn des alten Mordechai Hirschel oder Heinrich, mit einer holländischen Jüdin einer geborenen Preßburg verheiratet, Rechtsanwalt später Justizrat in Trier, trat 1824 mit Frau und Kindern zum Protestantismus über. Als dies geschah, zählte Karl Marx, dessen hundertster Geburtstag am £. .'"Tr' begangen wird, erst sechs Jahre. So kam es, daß die seelischen und geistigen Schätze des Judentums für sein Auge abseits liegen blieben; er lernte sie nicht kennen und so verkannte er sie. Um zu entscheiden, wie viel oder wie wenig an der Persönlichkeit und an dem Lebenswerk eines Denkers seine Abstammung erkläre, vergewissert man sich zuerst, wie er selbst darüber geurteiit haben!:•■ Aber weder öffentlich noch in uns bekannt gewordenen Briefen oder Gesprächen hat sich über diesen Punkt der Mann geäußert, der do:vx Meyerschen Konservationslexikon, das ihn um biographische Angaben ersuchte, nicht einmal antwortete, weil es seiner Natur widersprach, sich mit der eigenen Person zu befassen. Und wie hätte er sk* r:r eigentlich analysieren sollen, wo ihm, dem Verkünder einer streng' ökonomischen. Geschichtsauffassung, die einzelne Person im Lcbcnsprczea der Menschheit so wenig bedeutete? Auch lag die Frage nach dein Einfluß des Bluts seiner Generation noch ziemlich fern. Sic unterschätzte in der Regel diesen Einfluß ebenso sehr wie die heutige ihn überschätzt. Aus dem Augo lassen darf ihn der Historiker nicht, 3

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