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Neue jüdische Monatshefte · 1918-04-25 · Heft 14 (25.4.1918) · p. Seite 321

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 14 (25.4.1918)
Article
Die Litwaki
Date
1918-04-25
Page
Seite 321 (sequence 3)
Language
German
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321 aus denen sie kamen. Polnisch zu sprechen hatten sie weder Veranlassung noch Gelegenheit gehabt. Es konnte sachlich dann auch nicht wundernehmen, wenn diese aus Rußland gekommenen Juden außer ihren jüdischen Zeitungen wohl noch russische, aber nicht polnische hielten, wenn sie wohl russische, aber keine polnischen Bücher lasen, und daher wohl in der russischen, aber nicht in der polnischen Literatur Bescheid wußten und ebenso, wenn sie außer dem jüdischen Theater wohl das zeitweise ins Land kommende russische Theater, nicht aber das polnische besuchten. Das alles sind selbstverständlich Begleiterscheinungen der Land- und Volksfremdheit, in der diese Juden in das Land gekommen sind, und nichts ist verkehrter, als diese Tatsachen und Erscheinungen etwa als Ausdruck einer politischen Gesinnung auszulegen und zu Symptomen politischer Demonstrationslust aufzubauschen. In all diesen Äußerlichkeiten des Lebens lag nichts weniger als Tendenz, und wenn man sie hineingelegt hat, so war dies ein Fehler, der auf die Betreffenden selbst zurückfiel, die es getan haben. Vielleicht hätte Aufklärung in dieser Richtung wenigstens in weiteren Kreisen der polnischen Bevölkerung Gutes wirken können. Bei der jüdischen Bevölkerung Polens freilich lagen die Dinge nicht so einfach. Der Gegensatz der polnischen Juden zu den russischen, die nun auf einmal in größerer Zahl neben jenen im Lande lebten, lag nämlich durchaus nicht nur in diesem äußerlichen Moment der Sprachverschiedenheit, die sich übrigens, abgesehen von der Kenntnis des Russischen bei den Litwaken, auch in einer leicht erkennbaren Verschiedenheit des Jiddischen sofort geltend machte, vielmehr hatte diese Empfindung von etwas Fremdem tief erliegende Gründe, Die liberalistische Ära unter der Regierung Alexanders II. hatte überall in Rußland, außer in Polen, die Juden aus ihrem starker;, äußeren Konservatismus herausgedrängt. Auch war es gewiß ir.cht gleichgültig, daß die Russifizierung in Litauen besonders stark betrieben wurde, und dazu kam, daß die Haskalah (Aufklärungsbewegung) in der litauischen Judenschaft am frühesten Boden gewonnen hat. ■ Man darf annehmen, daß in Litauen in den 40 er Jahren diese Strömung In don obersten Schichten bei den Juden Eingang gefunden hat, daß s(e hn folgenden Jahrzehnt in die Jeshiwos eingedrungen ist. In den 60er und 70 er Jahren war bereits die Aufklärungsbewegung zum Unterschiede von den im Chassidismus befangenen polnischen Juden bereits im ganzen russischen Judentum so weit wirksam geworden2), hatte äußerlich wie innerlich eine so weitgehende Veränderung bei den Jud. :i herbeigeführt, daß den polnischen Juden in den einwandernden LHw&Vn ein ihnen nichtverständliches westeuropäisches Judentum gegenübertrai. Wie sehr die polnischen Juden von der Haskalah unberührt gebüeb i. waren, das hat diese russische Einwanderung, und zwar ohne Unterschied der Herkunft in einer unglaublich schroffen Unduldsamkeit, seitens ihrer polnischen Glaubensgenossen zu spüren bekommen. «) Es war namentlich dio Zulassung zu Gymnasialstudium ohm> pro zentuale Einschränkung von einer großen Wirkung in der Richtung Ger Aufklärung in den äußeren Lebensformen begleitet gewesen.

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